43 Infizierte

Legionellen-Ausbruch – Gutachter soll Klarheit bringen

Drei Männer stehen nach einem Legionellen-Ausbruch mit 43 Infizierten vor Gericht. Am zweiten Prozesstag soll ein Gutachter weitere Antworten liefern.
22.10.2026, 09:47
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Am Landesgericht Feldkirch wird am Donnerstag der Prozess um den größten Legionellen-Ausbruch der österreichischen Geschichte fortgesetzt. Im Mittelpunkt stehen weitere Zeugenaussagen und die Einvernahme des Gerichtsgutachters.

Nie auf Legionellen getestet

Auf der Anklagebank sitzen zwei Mitarbeiter des Verpackungsunternehmens Rattpack in Wolfurt sowie ein Mitarbeiter eines externen Reinigungsunternehmens. Ihnen werden fahrlässige Gemeingefährdung und fahrlässige Beeinflussung der Umwelt vorgeworfen. Der Kühlturm des Betriebs soll nicht ordnungsgemäß gewartet und nie auf Legionellen getestet worden sein. Auch das Unternehmen selbst wird nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz belangt.

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Wer schaltete Desinfektion ab?

Eine zentrale Frage ist weiterhin ungeklärt: Wer hat die Desinfektionsanlage des Kühlturms wiederholt vom Strom getrennt? Der angeklagte Kältetechniker des Reinigungsunternehmens sagte am ersten Prozesstag aus, er habe die Anlage immer wieder ans Stromnetz anschließen müssen. Er vermute, dass sie regelmäßig abgesteckt worden sei. Warum, könne er sich nicht erklären. Die Desinfektion sei „kein so großer Kostenfaktor" gewesen. Er habe sogar vorgeschlagen, die Pumpe fix anzuschließen.

"Nicht notwendig"

In den Aufzeichnungen war mehrfach vermerkt, dass die Bioziddosierung „wieder aktiviert" worden sei. Das würde bedeuten, dass die Desinfektion zuvor abgeschaltet war. Der leitende Rattpack-Mitarbeiter konnte sich das nach eigenen Angaben nicht erklären. Der zweite angeklagte Rattpack-Techniker erklärte hingegen, die Desinfektion sei in der kalten Jahreszeit aus seiner Sicht nicht notwendig gewesen. Dass die Tests des Reinigungsunternehmens nie Legionellenwerte ausgewiesen hätten, sei ihm nicht aufgefallen.

Angeklagte weisen Verantwortung von sich

Schon am ersten Verhandlungstag schoben sich die Angeklagten gegenseitig die Verantwortung zu. Der Verteidiger des zweiten Rattpack-Mitarbeiters verwies darauf, dass das Reinigungsunternehmen mit der Wartung beauftragt worden sei und dafür Rechnungen gestellt habe. Auch der leitende Mitarbeiter sah sich nicht persönlich verantwortlich. Er habe sich auf seinen Mitarbeiter verlassen.

Der Verteidiger des Kältetechnikers hielt dagegen: „Das Beweisverfahren wird zeigen, dass einzig und allein Rattpack für diesen Kühlturm verantwortlich ist", heißt es im ORF. Zwischen dem Verpackungsunternehmen und der Reinigungsfirma habe es keinen schriftlichen Vertrag gegeben.

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Behörden gerieten ebenfalls in die Kritik

Auch die Kontrollen durch die Behörden waren Thema vor Gericht. Laut dem zweiten Angeklagten hätten Amtssachverständige von der Anlage gewusst, bei den zweijährlichen Kontrollen aber nicht nachgesehen und auch keine Informationen zum Kühlturm verlangt.

Der Verteidiger des Mitarbeiters des Reinigungsunternehmens kritisierte zudem den Umgang mit der Öffentlichkeit: „Das war in den ersten Stunden und Tagen das Wichtigste: nicht in den Medien genannt zu werden." Er ergänzte: „Dass eine Behörde bei diesem Spiel mitmacht, ist äußerst fragwürdig."

42 Infizierte mussten ins Spital

Die Folgen des Legionellen-Ausbruchs waren schwerwiegend: Laut der Gesundheitsagentur AGES infizierten sich insgesamt 43 Personen. 42 von ihnen mussten stationär im Spital behandelt werden. Neun Menschen lagen laut Staatsanwaltschaft auf der Intensivstation, laut AGES waren es zehn. Zumindest zwei Personen sollen in Lebensgefahr gewesen sein. Eine AGES-Mitarbeiterin sagte als Zeugin aus, es sei „sehr unwahrscheinlich", dass eine andere Infektionsquelle als jene bei Rattpack mitverantwortlich gewesen sei.

Im Kühlturm wurde laut dem angeklagten Kältetechniker Wasser aus der Bregenzer Ach verwendet. Ihm sei aufgefallen, dass es braun gefärbt gewesen sei. Der leitende Rattpack-Mitarbeiter habe darauf mit Achselzucken reagiert und gemeint, das Wasser werde schon getestet werden.

Gutachten und Zeugen sollen Klarheit bringen

Nach dem Aufkommen des Verdachts habe das Unternehmen sofort die gesamte Produktion eingestellt, betonte der leitende Mitarbeiter. Der Unternehmensvertreter verwies zu Beginn des Prozesses auf einen Verlust von 1,7 Millionen Euro im Vorjahr und einen entsprechenden Umsatzrückgang.

Am ersten Verhandlungstag war mehr als neun Stunden lang mit kurzen Unterbrechungen verhandelt worden, ehe der Prozess am Abend vertagt wurde. Nun sollen weitere Zeugenaussagen und das Gutachten neue Erkenntnisse bringen.

red, 22.10.2026, 09:47