Was nach einem schrägen Werbegag klingt, ist in Nordirland bitterer Ernst: Lidl errichtet dort sein erstes eigenes Pub. Nicht aus Liebe zum Zapfhahn, sondern laut einem Bericht der BBC wegen der strengen Alkohol-Regeln vor Ort.
Der Standort liegt in Dundonald im Osten von Belfast. Direkt neben der Filiale entsteht ein separates Lokal mit Platz für bis zu 60 Gäste. Wichtig dabei: Das Pub kommt nicht in den Markt, sondern in ein eigenes Gebäude daneben. Genau das macht den Plan rechtlich möglich.
Der Hintergrund ist ziemlich speziell. Lidl wollte für den Standort ursprünglich eine normale Off-Sales-Lizenz, also eine Bewilligung für den Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen. Die bekam der Konzern aber nicht. Also ging der Diskonter einen anderen Weg: Mit einer Pub-Lizenz darf rechtlich auch ein eigener Off-Sales-Bereich betrieben werden.
Genau das sorgte für Wirbel. Konkurrenten zogen vor Gericht und warfen Lidl vor, ein Schlupfloch auszunützen. Doch der High Court winkte das Projekt im Jänner 2025 durch. Der Richter stellte klar, dass ein ungewöhnlicher Antrag allein kein Grund für eine Ablehnung sei.
Die Vorgeschichte reicht schon länger zurück. Bereits 2020 hatte Lidl eine Baugenehmigung für einen Schankraum in Dundonald bekommen. Laut Gerichtsunterlagen wollte das Unternehmen dafür eine bestehende Lizenz übernehmen und rund 410.000 Pfund in das Projekt stecken. Lidl argumentierte dabei auch, dass das Pub wirtschaftlich tragfähig sei.
Warum das alles überhaupt nötig ist? In Nordirland gelten besonders strenge Regeln. Wer Alkohol verkaufen will, muss zuerst eine Lizenz übernehmen, die von einem anderen Betrieb abgegeben wurde. Zusätzlich muss nachgewiesen werden, dass es in der Gegend zu wenige bestehende Lokale oder Verkaufsstellen gibt.
Genau an diesem Punkt war Lidl mit einer normalen Off-Lizenz schon einmal gescheitert. Beim Pub klappte es nun aber, weil in der Nähe in den vergangenen Jahren zwei Bars zugesperrt haben. Das half dem Unternehmen beim Nachweis, dass in der Umgebung Bedarf besteht.
Lidl-Manager Gordon Cruikshanks sprach von einem langen Verfahren über sechs Jahre und kündigte an, dass im neuen Pub ausgewählte Bier-, Wein- und Spirituosen aus dem Lidl-Sortiment angeboten werden sollen. Ein Fokus soll dabei auch auf lokalen Lieferanten liegen.
Dass Lidl jetzt weltweit zur Wirte-Kette wird, ist trotzdem höchst unwahrscheinlich. Der Fall ist so speziell, dass er wohl ein Nordirland-Unikat bleiben wird.