Neue EU-Grenzkontrollen

Statt 70 Sekunden: Flugreisende warten drei Stunden

Leere Flieger, ewiges Warten: Der Start des neuen Ein- und Ausreisesystems der EU (EES) in den Vollbetrieb verläuft alles andere als reibungslos.
Team Wirtschaft
11.04.2026, 17:41
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Das neue Ein- und Ausreisesystem der EU (EES) läuft im Vollbetrieb. Für 29 Staaten im Schengen-Raum – darunter auch Österreich – bedeutet das einen tiefgreifenden Umbruch bei der Grenzkontrolle.

Statt eines simplen Stempels im Reisepass werden die Daten von Nicht-EU-Bürgern nun digital und biometrisch erfasst – per Fingerabdruck und Gesichtsscan. Was als Hightech-Meilenstein gefeiert wird, sorgt zum Start jedoch für massive Probleme.

Bereits letzten Oktober wurde das System eingeführt, zunächst mit einer sechsmonatigen Übergangsphase. Nun ist diese vorbei: Das EES ist verpflichtend im Einsatz, Ausnahmen sind kaum mehr möglich. Ziel ist es, Ein- und Ausreisen lückenlos zu dokumentieren und die Daten in Echtzeit im gesamten Schengen-Raum verfügbar zu machen.

Laut EU-Kommission gilt das System als eines der modernsten weltweit – mit ersten Erfolgen: Schon im Testbetrieb wurde rund 26.000 Personen die Einreise verweigert, darunter etwa 700 mit mutmaßlichen Verbindungen zu kriminellen oder terroristischen Netzwerken.

Doch der Start in den Vollbetrieb verläuft alles andere als reibungslos.

Statt 70 Sekunden: Reisende warten drei Stunden

Vor allem an Flughäfen häufen sich die Probleme. Branchenverbände wie ACI EUROPE und Airlines for Europe schlagen Alarm: Schon am ersten Tag kam es zu massiven Verzögerungen. Statt der offiziell angegebenen 70 Sekunden pro Registrierung berichten Flughäfen von deutlich längeren Abfertigungszeiten. In Stoßzeiten mussten Reisende zwei bis drei Stunden an den Grenzkontrollen warten.

Die Folgen sind dramatisch: Passagiere verpassen ihre Flüge, Maschinen starten mit halbleeren Kabinen – oder ganz ohne Gäste.

Flüge starten ohne Passagiere

So fehlten bei einem Flug nach Großbritannien gleich 51 Passagiere. In einem anderen Fall war zum Zeitpunkt des Gate-Schlusses kein einziger Fluggast an Bord, selbst 90 Minuten später warteten noch immer Reisende auf die Abfertigung.

Auch für Airlines wird die Situation zunehmend zum Problem. Verspätungen im Minutenbereich summieren sich rasch zu erheblichen Störungen im gesamten Flugplan. Der ohnehin angespannte Luftverkehr – unter anderem durch geopolitische Krisen – gerät damit zusätzlich unter Druck.

Die Branche fordert deshalb mehr Flexibilität. Konkret soll es Grenzbehörden ermöglicht werden, das System bei extremen Wartezeiten vorübergehend vollständig auszusetzen. "Eine Stärkung des Grenzmanagements darf nicht zu Lasten der betrieblichen Effizienz oder des Reiseerlebnisses gehen", warnen Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI EUROPE, und Ourania Georgoutsakou, Geschäftsführerin von A4E. Andernfalls drohe Europas Ruf als gut erreichbares Reiseziel ernsthaften Schaden zu nehmen.

Fest steht: Das neue Grenzsystem bringt mehr Sicherheit – aber aktuell auch jede Menge Chaos. Ob sich die Lage in den kommenden Wochen stabilisiert oder sich die Probleme weiter zuspitzen, wird sich rechtzeitig vor der Sommer-Reisewelle entscheiden.

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