Australiens Bauern stehen vor einer massiven Herausforderung: Eine Mäuseplage breitet sich über weite Teile des Landes aus. Die Nagetiere zerstören Ernten, dringen in Häuser ein und verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Besonders betroffen sind die Regionen in Westen und Süden Australiens.
Die Situation verschärft sich zusätzlich durch hohe Diesel- und Düngemittelpreise, die seit dem Krieg zwischen den USA, Israel und Iran stark gestiegen sind. Die Landwirte müssen Hunderte Stunden in das Ausbringen von Ködern investieren oder ganze Felder neu bepflanzen, nachdem die Mäuse die Saat gefressen haben.
Die diesjährige Plage ist laut betroffenen Bauern deutlich schlimmer als die letzte große Mäusewelle im Jahr 2021. Damals mussten in New South Wales sogar Häftlinge aus Gefängnissen evakuiert werden, nachdem Mäuse große Schäden angerichtet hatten.
Ein Grund für die aktuelle Plage ist die Rekordernte des vergangenen Jahres. Durch zurückgebliebenes Getreide in den Feldern finden die Mäuse ideale Bedingungen vor. Zusätzlich sorgte Sommerregen für frische Triebe, was das Nahrungsangebot für die Tiere weiter erhöhte. In manchen Feldern werden bis zu 10.000 Mäuse pro Hektar geschätzt.
Landwirtin Belinda Eastough aus Nolba berichtet: „Letztes Mal waren sie überall – im Boden, in den Wänden, sogar in meiner Handtasche. Heuer halten sie sich eher auf den Feldern auf, weil es dort genug Futter gibt.“
Die Herbstmonate sind für die australischen Getreidebauern besonders wichtig, da in dieser Zeit ausgesät wird. Experten raten, sofort nach der Aussaat Köder auszubringen, damit die Mäuse nicht die frischen Samen aus den Furchen fressen. Der Zugang zu einem stärkeren Köder wurde nun von den Behörden genehmigt, was den Bauern Hoffnung auf eine Eindämmung der Plage gibt.
Der Forscher Steve Henry von der nationalen Wissenschaftsagentur CSIRO erklärt, eine Plage beginne ab 800 Mäusen pro Hektar – aktuell seien es in manchen Regionen aber Tausende. „Das ist ein riesiges Problem, gerade jetzt, wo die Felder bestellt werden“, warnt er. Besonders belastend sei neben den wirtschaftlichen Folgen auch der psychische Druck für die Landwirte.
Mit sinkenden Temperaturen und dem Einsetzen der Regenzeit hoffen viele Bauern auf eine Entspannung der Lage. „Irgendwann hört es auf, weil es zu kalt und nass wird“, sagt Landwirt Geoff Cosgrove. In den letzten Tagen wurde bereits ein Rückgang der Mäusezahlen beobachtet – ein Hoffnungsschimmer nach Wochen der Belastung.