Der Melker Rudolf T. zog sich vor Jahren nach einem Sturz eine schwere Verletzung an der Ferse zu, war über ein Jahr im Krankenstand. Seinen Job als Wintergartenbauer verlor er. Es folgten einige Dienstverhältnisse als Tischler. Seine Einschränkungen machten ihm aber zu schaffen, er stellte mehrmals Anträge auf Invaliditätspension, die alle abgelehnt wurden.
Ende 2024 wurde Rudolf T. wieder arbeitslos, kam zum AMS, hatte keinerlei Perspektive. Wie soll es mit knapp 50 Jahren weitergehen? Sein Berater empfahl ihm die vom AMS finanzierte Unterstützung beim Männerberatungszentrum MBZ Mostviertel 4.0.
Im Rahmen des Coachings entwickelte er Pläne, gewann Zuversicht. Über das AMS kam er auch zur Interessensvertretung für Menschen mit Behinderung (ÖZIV), die ihm beim Einstieg in die Arbeitswelt begleitete.
Seit Ende 2025 ist Rudolf T. nun als Lagerarbeiter und "Mann für alles" bei einem Lebensmittelhersteller beschäftigt: "Ich bin froh, dass ich einen super Arbeitgeber und passenden Job habe."
Der Arbeitsmarkt in NÖ zeigt: Rudolf T. kein Einzelfall: Anhaltende Konjunkturschwäche vermindert die Arbeitsmarktchance für langzeitarbeitslose Männer: Laut aktuellen Daten (Februar 2026) gibt es einen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit bei Männern um 9,9 Prozent – im Vergleich zum Februar 2025. Dazu kommt: Fast die Hälfte (49,7 Prozent im Februar 2026) der langzeitarbeitslosen Männer in Niederösterreich sind wegen gesundheitlicher Probleme (physisch und psychisch) aktuell nur schwer vermittelbar.
AMS NÖ-Chefin Sandra Kern sagt dazu: "In der Vermittlungsarbeit tauchen verstärkt Hindernisse auf, die wir in den Beratungen mit unseren Ressourcen nicht lösen können: Schulden, physische oder psychische Probleme, Suchtverhalten, fehlende digitale Grundkompetenzen oder berufliche Perspektivlosigkeit. Mit Hilfe intensiver Beratung und Betreuung des AMS-Teams in Kooperation mit externen Experten wollen wir diese Probleme grundlegend klären, um für Betroffenen den Weg ins Berufsleben zu ermöglichen."
Eine Initiative, die das Arbeitsmarktservice startete: Die AMS-Geschäftsstellen im Mostviertel (Amstetten, Melk, Scheibbs und Waidhofen/Ybbs) vermitteln nach eingehender Beratung langzeitarbeitslose Männer mit gravierenden Vermittlungshemmnissen an das Männerberatungszentrum, wo externe Experten Einzel- und Gruppenberatungen abhalten (persönlich und digital). Dabei werden Themen wie Selbstmanagement, Konflikte konstruktiv lösen, Finanzen nachhaltig sanieren, Bewerbungsverhalten verbessern usw. behandelt.
710 Jobsuchende aus dem Mostviertel nutzten im vergangenen Jahr das Angebot. Der arbeitsmarktpolitische Erfolg (Anm.: Anteil der Teilnehmer, die drei Monate nach Programmende berufstätig sind oder ein passendes weiterführendes Schulungsprogramm des AMS NÖ nutzen) liegt bei 51,4 Prozent, 44,8 Prozent konnten nachhaltig im Erwerbsleben Fuß fassen. Aktuell werden 298 jobsuchende Männer über Vermittlung des AMS vom MBZ 4.0 betreut.
Für Kern ein hervorragender Wert: "51,4 Prozent nachhaltiger Arbeitsmarkterfolg sind ein ausgezeichnetes Ergebnis, wenn wir uns vor Augen halten, mit welch großen Herausforderungen die Betroffenen kämpfen, wenn sie in die Betreuung des Männerberatungszentrums kommen."
Auch im Jahr 2026 steht das Angebot des Männerberatungszentrums MBZ für Langzeitarbeitslose aus dem Mostviertel zur Verfügung. Das AMS NÖ rechnet mit rund 600 Männern, die heuer davon profitieren werden. Das Männerberatungszentrum wird vom AMS finanziell gefördert.