Was zunächst wie eine ungewöhnliche Idee klingt, entwickelt sich in Japan zu einem echten Trend: Immer mehr Menschen legen sich freiwillig in einen Sarg – nicht aus makabren Gründen, sondern zur Entspannung und Selbstreflexion.
Ursprünglich stammt das Konzept aus der Präfektur Chiba, wo ein Bestattungsunternehmen begann, sogenannte "Sargliegen" anzubieten. Dabei verbringen Teilnehmer einige Zeit in einem Sarg, um über die eigene Vergänglichkeit nachzudenken – oder einfach zur Ruhe zu kommen.
Der Trend ist eng mit der japanischen Kultur verbunden. Das Konzept des "Kuyō", also der bewussten Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit, hat dort eine lange Tradition. Die Idee dahinter: Wer sich mit dem Tod beschäftigt, lernt das Leben mehr zu schätzen.
Vor allem in Zeiten wachsender mentaler Belastungen gewinnt diese ungewöhnliche Form der Meditation an Bedeutung. Gerade angesichts steigender psychischer Probleme bei jungen Menschen suchen viele nach neuen Wegen, um Stress abzubauen und innere Ruhe zu finden.
Ziel ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der man abschalten und über das eigene Leben nachdenken kann. Kosten: umgerechnet 16 Euro pro Person für 30 Minuten.
Designerinnen wie Mikako Fuse wollen mit ihren Konzepten vor allem die Angst vor dem Tod reduzieren. Ihre Idee: Wenn Menschen den Tod bewusst "durchspielen", verlieren sie die Furcht davor – und gewinnen gleichzeitig neue Perspektiven auf ihr Leben.
In Workshops berichten Teilnehmer, dass sie sich nach der Erfahrung ruhiger fühlen, ihre Sorgen besser einordnen können und sogar neue Lebensmotivation schöpfen.
Zwar gibt es bereits etablierte Methoden zur Förderung der psychischen Gesundheit – etwa Meditation, Therapie oder Medikamente. Befürworter des Sargliegens sehen darin jedoch eine ergänzende Möglichkeit.
Die bewusste Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit könne helfen, negative Gedanken zu relativieren. Oder wie es eine Anbieterin formuliert: "Bevor sich jemand für einen endgültigen Tod entscheidet, soll er einen erleben, aus dem man zurückkehren kann."