Luxus der Eltern unerreichbar

"Mehr Geld als Eltern, kann mir aber weniger leisten"

Viele verdienen heute besser als ihre Eltern und können sich trotzdem kein Haus leisten. Auf Reddit wird über Wohlstand und Lebensqualität diskutiert.
07.11.2026, 07:42
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Verdienst du mehr als deine Eltern, kannst dir aber weniger leisten? Diese Frage sorgt im Reddit-Forum r/Normalverdiener für Diskussionen. Ein Beitrag mit dem Titel "Seid ihr ärmer oder wohlhabender als eure Elterngeneration?" erhielt 171 positive Bewertungen und 793 Kommentare. Dabei geht es vor allem um Wohneigentum, Urlaube und die Frage, was vom Einkommen tatsächlich übrig bleibt.

Eine Antwort bringt das Gefühl vieler auf den Punkt: "Meine Eltern haben beide je ein eigenes Haus. Ich verdiene Brutto zwar mehr als die beiden zusammen, kann mir aber trotzdem keine Wohnung finanzieren." Der Kommentar erhielt mehr als 500 positive Bewertungen. Auch andere berichten, dass ihre Eltern mit nur einem Einkommen ein großes Haus und mehrere Autos finanzieren konnten, während sie selbst trotz zweier Gehälter deutlich bescheidener wohnen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Ein Nutzer erzählt etwa, dass er und seine Frau beide Akademiker seien und in einer kleinen Doppelhaushälfte lebten. Seine Eltern hätten dagegen mit einem Einkommen ein großes Haus, zwei Autos und sogar zwei Pferde besessen. Für schöne Urlaube reiche das Geld heute zwar, für einen vergleichbaren Lebensstandard aber nicht.

Hausbesitz bedeutet nicht automatisch Wohlstand

Allerdings sehen sich nicht alle gegenüber ihren Eltern im Nachteil. Ein besonders ausführlicher Kommentar zeigt, warum Immobilien und Autos allein wenig über den tatsächlichen Wohlstand aussagen. Die Eltern des Verfassers hätten zwar ein Haus und zwei Autos, er selbst lebe aber ohne eigenes Auto in einer Wohnung. Trotzdem sei er finanziell deutlich besser aufgestellt.

Er verdiene allein mehr als seine Eltern zusammen, gemeinsam mit seinem Partner sogar mehr als dreimal so viel. In seiner Kindheit sei das Geld knapp gewesen: Urlaube waren nicht möglich, beim Einkaufen musste gerechnet werden. Heute könne das Paar mehrmals im Jahr verreisen, spontan einkaufen und eine kaputte Waschmaschine ohne finanzielle Krise ersetzen.

Das Haus seiner Eltern sei über Generationen vererbt worden, für die Instandhaltung habe aber oft das Geld gefehlt. Der Kommentierende sieht deshalb keinen Grund, selbst unbedingt Eigentum besitzen zu müssen. Er schätze das Leben in der Stadt, seine Flexibilität und die Möglichkeit, gleichzeitig für die Pension zu sparen.

Auch ein anderer Nutzer berichtet von einem finanziellen Aufstieg: Seine Eltern hätten als Arbeiter zur Miete gelebt und kaum Rücklagen gehabt. Er selbst habe mit Unterstützung durch BAföG studiert und kaufe nun mit Ende 30 eine Eigentumswohnung. Finanziell gehe es ihm deutlich besser als seiner Familie früher.

Luxus der Eltern bleibt für manche unerreichbar

Andere erleben genau das Gegenteil. Ein Nutzer beschreibt das Haus seines Vaters mit 500 Quadratmetern Wohnfläche, Pool, Whirlpool, Sauna, Fitnessraum und Heimkino. Dazu komme ein 1.200 Quadratmeter großes Grundstück in einem begehrten Vorort einer Großstadt. Diesen Lebensstandard könne er mit einem normalen Angestelltengehalt wohl niemals erreichen. Auch eine Übernahme des Unternehmens seines Vaters sei wegen der schwierigen Branchenentwicklung keine Option.

Ein weiterer Kommentierender erzählt, dass seine Eltern als Arbeiter mit einem Einkommen ein Haus, zwei Autos und mehrere Urlaube finanzieren konnten. Er und seine Frau seien Akademiker, hätten aber nur eine kleinere Doppelhaushälfte. Für Urlaube reiche das Geld, für Pferde nicht. Dafür könne er sein Kind aufwachsen sehen – etwas, das bei seinem Vater wegen der vielen Arbeit anders gewesen sei.

Damit wird auch ein anderer Wohlstandsbegriff sichtbar. Ein Nutzer berichtet, sein Vater habe eine hohe Position in einem DAX-Konzern gehabt. Er selbst habe sich bewusst gegen den nächsten Karriereschritt entschieden, um mehr Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Finanziell sei er ärmer als seine Eltern, fühle sich aber reicher.

Früher wurde für das Eigenheim viel geopfert

Mehrere Kommentare erinnern daran, dass ein eigenes Haus früher oft nur durch Verzicht möglich war. Ein Nutzer schildert seine Kindheit in einem Haus, in dem Kleidung von älteren Geschwistern übernommen wurde, die Heizung im Winter möglichst lange ausgeschaltet blieb und Urlaube kaum leistbar waren. Heute habe er selbst ein Haus, ein gebrauchtes Auto und könne mit seiner Familie ein- bis zweimal jährlich verreisen. Zusätzlich spare er für das Depot und sein Kind.

Andere verweisen auf unterschiedliche Familiengrößen und Lebensmodelle. Ein Paar mit zwei Einkommen und ohne Kinder könne sich naturgemäß mehr leisten als die Eltern, die mit eineinhalb Einkommen drei Kinder versorgt hätten. Gleichzeitig seien früher Technik, Abos und Konsumgüter weniger wichtig gewesen. Ein direkter Vergleich von Autos, Wohnfläche und Urlaubsreisen greife deshalb oft zu kurz.

Hohe Wohnkosten belasten die junge Generation

Ein zentraler Punkt bleibt für viele dennoch das Wohnen. Ein Kommentierender beschreibt, dass er und seine Frau trotz akademischer Ausbildung in befristeten Jobs arbeiten und rund 60 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete ausgeben. Vier Umzüge innerhalb von zehn Jahren hätten ihre Ersparnisse immer wieder aufgebraucht. Urlaube seien kaum möglich, auch ein Ersatz für das alte Auto sei finanziell schwierig.

Seine Eltern hätten im gleichen Alter eine größere Mietwohnung, zwei Autos und mehrere Urlaube im Jahr gehabt. Für ihn ist der Unterschied eindeutig: Trotz besserer beruflicher Qualifikation sei er weniger wohlhabend als die Elterngeneration.

Andere sehen sich hingegen klar im Vorteil. Ein Nutzer verdient nach eigenen Angaben 3.000 Euro netto und lebt zur Miete. Seine Eltern hätten zwar ebenfalls einen guten Lebensstandard gehabt, er selbst könne aber ähnlich gut leben – trotz Masterabschluss und besserer Ausbildung.

Eine eindeutige Antwort liefert der Thread daher nicht. Manche verdienen heute mehr und können sich weniger Wohnraum leisten. Andere profitieren von besseren Einkommen, mehr Konsummöglichkeiten und finanzieller Unabhängigkeit. Wieder andere verzichten bewusst auf Karriere und Eigentum, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Entscheidend ist offenbar nicht nur, was jemand besitzt, sondern auch, wie viel Geld nach den Fixkosten übrig bleibt und wie frei er über seine Zeit verfügen kann.

red, 07.11.2026, 07:42
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