Turbo-Verfahren gegen Schmiergeld – bis hin zum Austro-Pass gegen Bares. Bei der Wiener Skandal-Behörde MA 35 flog vor Kurzem mutmaßliche Korruption auf, wir berichteten. Ein Referatsleiter saß sogar wegen Verdunkelungsgefahr in U-Haft, bis ihn Top-Anwalt Mirsad Musliu rausboxte.
Auch seine Chefin, die von Star-Anwalt Philipp Wolm vertreten wird, ist nach einer Hausdurchsuchung (die "Krone" berichtete exklusiv) ihren Job los – und das aus gutem Grund: Denn auf Mobiltelefonen der beiden albanisch-stämmigen Ex-Magistrats-Mitarbeitern sollen Ermittler Tausende geheime Telegram-Nachrichten entdeckt haben, die sie schwer belasten.
Über einen längeren Zeitraum ging es zwischen den Kollegen konkret um Geld und beschleunigte Verfahren. Besonders brisant sind Chats aus dem vergangenen Juni. Als es um ein Visum geht ("die Frau will unbedingt") hieß es lapidar: "1k (Anm. 1.000 Euro) können wir nehmen."
An anderer Stelle wird klargemacht. "Ansonsten scheißen wir drauf." Nachdem man sich eine 50:50-Teilung geeinigt hatte, trudelte die Jubelmeldung der Chefin ein: "Ich hole mir heute das Geld, mein Goldjunge."
Und: Offenbar ging es aber nicht nur um Aufenthalts- und Einbürgerungsverfahren, sondern auch um Bauangelegenheiten. "Ja, da verdienen wir auch was", hieß es dazu. Oder: "Das mit dem Bau muss klappen."
Gegen die Frau wird wegen Vorteilsannahme ermittelt, gegen den Ex-Mitarbeiter wegen Missbrauch der Amtsgewalt und Bestechlichkeit. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. Bei der MA 35 versprach man volle Aufklärung, eine Vielzahl an Verfahren muss nun gründlich und neu geprüft werden.