Nach der blutigen Messerattacke in der St. Pöltner Innenstadt am 19. Juni – "Heute" berichtete – musste sich der junge Syrer nun wegen versuchten Mordes vor einem Geschworenengericht verantworten. Er soll damals zunächst einen Landsmann (damals 19) attackiert und auf der Flucht auch einen 14-jährigen Burschen mit dem Messer im Brustbereich verletzt haben.
Der Angeklagte bestritt vor Gericht laut "NÖN" einen Mordversuch. "Ich wollte sie nicht töten, nur einschüchtern", so seine Erklärung. Dabei soll er am 19. Juni auf Arabisch dem anderen Syrer "Ich töte dich heute" zugerufen und anschließend mit einem Butterfly-Messer zugestochen haben.
Sein Verteidiger stellte die schweren Körperverletzungen nicht infrage, sah den Vorwurf des Mordversuchs aber nicht erfüllt. Die Staatsanwaltschaft argumentierte dagegen, für einen Mordversuch reiche bereits bedingter Vorsatz.
Im Laufe des Prozesses soll sich der Beschuldigte mehrfach in Widersprüche verstrickt haben. Teile seiner Aussagen wichen von früheren Angaben bei der Polizei ab.
Der Mann erklärte demnach zudem, sich kaum an den Tattag erinnern zu können. Er habe Drogen und Tabletten konsumiert. Ein Gerichtsgutachter bestätigte laut Bericht zwar den Konsum, schloss aber eine nennenswerte Beeinträchtigung zur Tatzeit aus.
Auch zum Auslöser der Auseinandersetzung kamen neue Details ans Licht. Der Angeklagte sprach laut "NÖN" von 40 Euro Schulden. Das erste Opfer erklärte vor Gericht hingegen, es sei um 300 Euro gegangen.
Offenbar spielte auch eine Frau eine Rolle, die beide Männer am Vortag in Wien kennengelernt hatten. Laut Zeugenaussagen soll der Angeklagte sie beim Treffen am Bahnhof gewaltsam am Arm gezogen und auf Arabisch beschimpft haben.
Das erste Opfer verlangt laut "NÖN" rund 1.500 Euro für Behandlungskosten sowie 1.560 Euro Schmerzengeld. Für das zweite Opfer werden 3.000 Euro Schmerzengeld gefordert. Die Schmerzengeld-Forderungen erkannte der Angeklagte dem Bericht zufolge an. Die Behandlungskosten will er allerdings nicht übernehmen.
Zu einem Urteil kam es am Ende aber nicht. Laut "NÖN" fehlte die wichtigste Zeugin unentschuldigt, sie musste vergeblich von der Polizei gesucht werden. Eine Einvernahme ging sich nicht mehr aus – der Prozess wurde vertagt und soll am 14. Dezember fortgesetzt werden.