Fotos liefern Beweis

Millionen-Coup: Bohrer mit Wasser aus Frauen-WC gekühlt

Nach dem filmreifen Bankraub in Gelsenkirchen gibt es neue Details: Ein simpler Kühltrick half den Tätern, den Tresor aufzubrechen.
Lara Heisinger
16.01.2026, 11:22
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Mit einem simplen Trick sollen die Täter beim Millionen-Coup in Gelsenkirchen ihren Weg in den Tresorraum gebahnt haben: Sie sollen den Bohrer mit Wasser aus der Damentoilette der Sparkasse gekühlt haben.

Ein Foto vom Tatort zeigt demnach, wie ein Wasserschlauch vom Abfluss des Waschbeckens der Damentoilette bis in den Archivraum hinter der Stahlbetonwand des Tresorraums gelegt wurde. Mit dieser Wasserkühlung sollen die Einbrecher mit einem speziellen Kernbohrer ein rund 40 Zentimeter breites Loch geschaffen haben – direkt in Richtung der gut 3.200 Schließfächer.

Professionelle Vorgehensweise

Wie berichtet, sollen die Täter ihren Coup am Vormittag des 27. Dezembers durchgezogen und dabei Beute in dreistelliger Höhe gemacht haben. Danach ließen sie den Schlauch zurück, verstauten die Beute in großen Taschen und flüchteten mit zwei Fahrzeugen aus einer benachbarten Tiefgarage.

Bisher nicht veröffentlichte Tatort-Aufnahmen, die "Focus" gesehen haben will, sollen auch das Chaos im Tresorraum zeigen: Papierstapel und Überreste am Boden, dazu Schließfächer, die eines nach dem anderen aufgebrochen wurden. Die 230 Ermittler der besonderen Aufbauorganisation "Bohrer" sprechen demnach von einer äußerst professionellen Vorgehensweise.

Ermittler gehen von Insider aus

Offen bleibt weiter die Frage, wie die Täter so genau über Sicherheitsmaßnahmen und Zugänge Bescheid wussten. Nicht nur NRW-Innenminister Herbert Reul geht von einem Insider aus, der die Bande mit den nötigen Informationen versorgt haben könnte. Die Einbrecher sollen zudem am Archivraum, über den es zur Tresorwand ging, das Schloss ausgetauscht haben – offenbar, um während der Bohrarbeiten ungestört zu bleiben.

Auch soll die Zufahrt zum abgesperrten Bereich der Tiefgarage zuvor per Chip geöffnet worden sein, dessen Herkunft bislang unklar ist. Ermittler gehen außerdem davon aus, dass eine Fluchttür von der Tiefgarage ins Treppenhaus so manipuliert wurde, dass sie sich nicht nur von innen, sondern auch von außen öffnen ließ.

Laut "Spiegel" klebten die Täter zusätzlich Bewegungsmelder im Treppenhaus ab. Warum die Alarmanlage dennoch nicht auslöste, zählt weiter zu den offenen Punkten.

Viele Geschädigte haben Anwälte eingeschaltet, weil sie teils Verluste in Millionenhöhe beklagen. Die Versicherungssumme von 10.300 Euro pro Depot reiche dafür bei weitem nicht aus, weshalb hohe Schadenersatzforderungen im Raum stehen.

Bank teilweise wieder geöffnet

Gut zwei Wochen nach dem Coup hat die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer am Donnerstagmorgen zumindest das Foyer mit Selbstbedienungsbereich wieder geöffnet. Kunden können dort zwischen 6 und 23 Uhr wieder Geld abheben und einzahlen sowie Überweisungen und andere Aufträge am Automaten erledigen.

Die Filiale selbst bleibt jedoch aufgrund der laufenden Ermittlungen geschlossen, ebenso der Bereich mit den Kundenschließfächern. Ein Sprecher rechnet damit, dass Ermittlungen und Sicherungsarbeiten im Keller der Bank noch Monate dauern werden.

{title && {title} } LH, {title && {title} } Akt. 16.01.2026, 11:23, 16.01.2026, 11:22
Jetzt E-Paper lesen