Gleich hinter der Börse liegt, ein rund 3.700 Quadratmeter großer Park mit Kinderspielplatz in der City. 1993 wurde der Park vollständig umgestaltet und nach SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner benannt. Das könnte sich im Nachhinein als Fehler herausstellen.
Denn wie am Donnerstag bekannt wurde, soll der 1986 im Alter von 66 Jahren verstorbene Gmeiner mindestens acht minderjährige Burschen misshandelt und sexuelle Gewalt ausgeübt haben. Das ergab sich im Zuge der Aufarbeitung – "Heute" berichtete.
Wie SOS-Kinderdorf in einer Aussendung erklärt, betreffen die Meldungen vier Standorte in Österreich im Zeitraum der 1950er- bis 1980er-Jahre. Alle acht Betroffenen haben in den Jahren 2013 bis 2023 ein Opferschutzverfahren durchlaufen und eine Entschädigungszahlung und Therapie-Einheiten erhalten.
Man gehe jeder Meldung nach und "hat dabei auch interne Recherchen zu historischen Akten intensiviert. Im Rahmen dieser Überprüfungen wurden acht intern dokumentierte Opferschutzfälle im Zusammenhang mit dem Gründer Hermann Gmeiner ausgehoben", heißt es.
Ein Park, der nach einem des Missbrauchs Beschuldigten benannt ist, wirft kein gutes Licht auf die Wiener City. In einer ersten Stellungnahme reagierte City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP): "Die heute publik geworden Vorwürfe gegen Hermann Gmeiner sind schwerwiegend und erschütternd. Sollte sich dieser Verdacht erhärten, ist eine Umbenennung des Hermann-Gmeiner-Parks in der Inneren Stadt unumgänglich", meint Figl gegenüber "Heute".
"Heute" fragte bei der zuständigen Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler nach, wie das Prozedere einer Umbennung ist. Aus dem Büro der Stadträtin heißt es: "Die Benennung von Straßennamen und Verkehrsflächen beginnt meist im jeweiligen Bezirk, in dessen Zuständigkeitsbereich die betreffende Fläche fällt, wobei die Vorschläge von der Bezirksvorstehung eingebracht werden. Anschließend gelangt die Auswahl über einen entsprechenden Antrag an die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7), wo der Antrag zusätzlich überprüft wird."
Und weiter: "Im weiteren Verlauf befasst sich der vom Wiener Gemeinderat eingesetzte Unterausschuss für Verkehrsflächenbenennung mit dem Vorschlag und spricht eine Empfehlung zur Annahme oder Ablehnung aus. Den formalen Abschluss des Verfahrens bildet schließlich der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft, der den Beschluss offiziell bestätigt."