Im Passauer Gasthaus "Goldenes Schiff" sorgt die Abschiebung einer langjährigen Mitarbeiterin für große Empörung. Wirt Christian Wolf machte seinem Ärger nun in einem emotionalen Instagram-Video Luft – und spart dabei nicht mit Kritik an den Behörden.
"Stammtisch? Stinksauer bin ich!", sagt Wolf zu Beginn seines rund sechs Minuten langen Videos. Anlass ist die Abschiebung seiner Mitarbeiterin Ruqi, die seit mehr als sechs Jahren im Traditionslokal gearbeitet hatte. "Unsere Ruqi ist vergangenen Donnerstag zu Hause von der Polizei abgeholt worden, ist in Haft nach Hof gekommen und wurde gestern Abend abgeschoben. Es ist eine absolute Frechheit, was da gerade passiert."
Nach Angaben des Wirts war die fast 60-Jährige voll integriert, arbeitete in Vollzeit im Lokal und hatte einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Zudem habe sie regulär Steuern bezahlt. Vergangene Woche sei sie jedoch von der Polizei aus ihrer Wohnung abgeholt und in Abschiebehaft nach Hof gebracht worden. Danach erfolgte die Abschiebung nach Sierra Leone.
Besonders schockiert zeigt sich Wolf über die Umstände. "Es ist ein absoluter Wahnsinn, dass eine fast 60 Jahre alte Frau in Haft sitzt. Ihr wird das Handy weggenommen, sie konnte sich von niemandem verabschieden. Wir wussten nicht einmal, wo unsere Mitarbeiterin ist."
Laut dem Gastronomen hätte Ruqi die Voraussetzungen für das sogenannte Chancen-Aufenthaltsrecht erfüllt. Probleme gab es allerdings beim Identitätsnachweis. Ihr Reisepass war abgelaufen, für neue Dokumente hätte sie persönlich nach Sierra Leone reisen müssen.
Ein von ihrer Familie organisierter Proxy-Ausweis wurde von den deutschen Behörden jedoch nicht anerkannt. Für Wolf ist das unverständlich: "Dass das nicht so einfach ist, daran denken die Bürokraten nicht."
Im Video findet der Wirt deutliche Worte für den Umgang mit seiner Mitarbeiterin. "Eine Frau wird aus ihrem Zuhause rausgerissen, sitzt fünf Tage in Haft und ist jetzt weg. Es ist so würdelos und so unverschämt", sagt er.
Gleichzeitig warnt er vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: "Wenn wir nicht langsam checken, dass wir auf gute Leute angewiesen sind, dann gehen irgendwann die Lichter aus. Das ist wirklich bodenlos."
Sollte Ruqi künftig versuchen, legal nach Deutschland zurückzukehren, kämen laut Wolf weitere Schwierigkeiten auf sie zu. Demnach müsste sie zunächst die Kosten ihrer Abschiebung selbst bezahlen.