Botschaft des Killers?

Mord im Luxus-Heim – Rätsel um Schmuck im Mund ungelöst

Mit DNA-Spuren konnte die Polizei einem Türken (61) den mutmaßlichen Mord an einer Seniorin nachweisen – ein düsteres Detail bleibt jedoch mysteriös.
Christian Tomsits
18.02.2026, 12:41
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Rasches Reagieren, akribische Polizeiarbeit und ein genialer Moment einer beflissenen Beamtin konnten den Mordfall in einer Luxus-Seniorenresidenz in Wien-Döbling in Rekordtempo klären. Eine 87-jährige Seniorin war am 20. Jänner zu Mittag leblos in ihrem Zimmer entdeckt worden – die Bettdecke war über den Kopf der Frau gezogen, auf der Bettwäsche befand sich Blut. Im Gesicht waren deutliche Einblutungen sichtbar, ein Fingernagel war abgebrochen – Mordverdacht!

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Anhand der Überwachungsvideos vom Eingang wurde rasch ein vorbestrafter Mann ausgeforscht, der die Senioren-Residenz am Vortag mit einem Blumenstrauß in der Hand betreten und verlassen hatte. Eine Polizistin erkannte den verurteilten Betrüger im internen Fahndungssystem von einem alten Fall, bei dem der Verdächtige in derselben Residenz einer Bewohnerin 180.000 Euro abgezockt hatte – wegen seiner auffällig dicken und langen Nase.

Die "Superspürnase" lieferte damit den Mordermittlern den entscheidenden Hinweis, die Kollegen dankten es der Beamtin wohl mit zumindest mit einer ordentlichen Belobigung, wie man hört. Die Obduktion brachte dann aber grausame Details ans Licht: Der Verdächtige muss besonders brutal vorgegangen sein, denn das Opfer hatte Kratzer im Gesicht, Hämatome an den Armen und mehrere gebrochene Rippen. Ein Bruch des Schildknorpelhorns deutet laut Ermittlern auf massive Gewalteinwirkung gegen den Hals hin. Die 87-Jährige dürfte im Würgegriff ihres Peinigers erstickt sein – das belegten schließlich die ausgewerteten DNA-Spuren eindeutig.

Doch ein düsteres Detail bleibt weiter ungeklärt – auch weil der von Astrid Wagner und Ina-Christin Stiglitz verteidigte Türke bisher die Tat geleugnet hatte und sich nicht zum tatsächlichen Geschehen im Zimmer des Opfers geäußert hat. Im Mund und Hals des Opfers fand man einen Ring – eine letzte perfide Botschaft des Peinigers?

Die Anwältinnen Astrid Wagner und Ina-Christin Stiglitz verteidigen den Verdächtigen
Sabine Hertel/zVg

"Man kann es nicht sagen, wieso das Schmuckstück im Mund und Rachen der Toten war. Es kann sowohl vom Täter dorthin verbracht worden sein als auch vom Opfer, das es ihm nicht geben wollte", erklärte der ermittelnde Abteilungsinspektor auf einer Pressekonferenz der Polizei. "Wir würden es selbst gerne wissen, aber der Täter hat sich nicht dazu geäußert", meinte der Kripo-Beamte auf "Heute"-Nachfrage zum möglichen Motiv.

Aus kriminaltechnischer Sicht gilt der Fall dennoch als abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft orderte noch Gutachten zur Gefährlichkeit und Zurechnungsfähigkeit des spielsüchtigen Arbeitslosen an. Laut Polizei lebte der gelernte Tischler seit seiner Ankunft in Österreich lediglich "von der Hand in den Mund" und hielt sich durch Betrugshandlungen über Wasser. Der 61-Jährige befindet sich derzeit in der Justizanstalt Josefstadt in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 10 bis 20 Jahre Haft oder sogar lebenslange Haft. Die Unschuldsvermutung gilt.

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