In einem Mehrparteienhaus in der Grazer Andrägasse ist in einem als Lager gewidmeten Raum eine Moschee entstanden – ohne dass die Bewohner vorab informiert wurden. Der überraschende Gebetsraum direkt neben den Kellerabteilen der Mieter hat für massive Irritationen gesorgt – "Heute" berichtete.
Wie nun bekannt wurde, beschäftigt die Moschee mit dem Namen "Masjid al İhsan" nicht nur Nachbarn, sondern auch die Behörden. Der Staatsschutz hat die genannte Moschee bereits unter Beobachtung. "Ja, es wird wegen des Verdachts der Verhetzung ermittelt", bestätigt die Staatsanwaltschaft Graz. Und weiter: "Und das nicht erst seit dieser Woche." Weitere Angaben macht man aufgrund laufender Ermittlungen nicht.
Verhetzung im strafrechtlichen Sinn liegt vor, wenn öffentlich zu Gewalt oder Hass gegen religiöse oder andere Gruppen aufgerufen wird. Die Betreiber der Moschee weisen jeden Verdacht zurück. Man komme lediglich zum Beten, zu gemeinsamen Gottesdiensten und zum Lesen religiöser Schriften zusammen, erklärte ein Vertreter des Arabischen Kulturvereins Graz gegenüber "Servus TV". Laut der "Kleine Zeitung" habe man inzwischen auch den Kontakt zu den Bewohnern gesucht.
In Online-Bewertungen wird die Moschee dafür gelobt, sich streng an die "Lehren der Salaf" zu halten – eine Bezeichnung für die frommen Altvorderen und namensgebend für den ultrakonservativen Salafismus.
Wie lange der Gebetsraum an dieser Adresse bestehen bleibt, ist fraglich. Die Baubehörde machte dem Eigentümer bereits unmissverständlich klar, dass die Räumlichkeiten nicht als Moschee genutzt werden dürfen.
Aus dem Büro von Stadtrat Manfred Eber (KPÖ), zuständig für die Bau- und Anlagenbehörde, hieß es bereits am Mittwoch: "Es wurde für diese Räume keine Moschee beantragt und die Nutzung gibt es auch nicht her." Die Behörde wolle die Situation weiterhin genau beobachten.