Auslandseinsatz in der Ukraine

Mühlviertler im Kriegsgebiet: "Man spricht über Wetter"

Ein Kaffee in der Sonne, dann heulen plötzlich die Sirenen: Michael Hinterleitner aus dem Bezirk Rohrbach war sechs Wochen lang im Ukraine-Einsatz.
Oberösterreich Heute
12.08.2026, 05:00
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Eben noch sitzt man gemütlich beisammen, im nächsten Moment schrillt in Kiew der Luftalarm. Was in Österreich sofort für Ausnahmezustand sorgen würde, ist für die Menschen in der Ukraine längst Teil des Alltags: "Bei Luftalarm trifft man sich im Safe Space, dem Schutzraum, und spricht übers Wetter", erzählt Michael Hinterleitner aus St. Peter am Wimberg (Bez. Rohrbach).

"Normalität des Krieges"

Für den 27-Jährigen war diese Gelassenheit nur schwer zu fassen: "Das ist ein Schutzmechanismus der Bevölkerung in der neuen Normalität des Krieges." Sechs Wochen lang war Hinterleitner für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in der Ukraine. Als Spezialist für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren gehörte er zur sogenannten Weapon Contamination Unit.

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Die Einheit beschäftigt sich vor allem mit explosiven Kampfmitteln und Blindgängern. Hinterleitner hatte dabei eine ganz besondere Rolle: "Ich bezeichne das gerne als den 'Nerd unter den Nerds' der Delegation, weil es ein extrem spezifisches Fachthema ist", sagt er.

Vom Zivildiener zum Krisenexperten

Der Oberösterreicher nahm potenziell gefährliche Industrieanlagen genau unter die Lupe und führte Risikoanalysen durch. Außerdem erarbeitete er Arbeitsanweisungen für technische Geräte und Schutzausrüstung. Mitarbeiter wurden von ihm mitunter direkt in Bunkern und Schutzräumen geschult.

Michael Hinterleitners Weg beim Roten Kreuz begann mit dem Zivildienst an der Ortsstelle Walding.
privat

Sein Weg ins internationale Krisengebiet begann beim Zivildienst an der Rotkreuz-Ortsstelle Walding (Bez. Urfahr-Umgebung). Danach folgten Rettungsdienst, Freiwillige Feuerwehr und Spezialausbildungen. Heute arbeitet Hinterleitner im Sicherheits-, Risiko- und Katastrophenschutz.

"Es funktioniert nur miteinander"

"Egal, ob bei der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder im Zivilschutz – es funktioniert nur miteinander", betont der 27-Jährige. "Wenn man mit seinem Wissen einen spürbaren Mehrwert für die Bevölkerung bieten kann, ist das einfach eine tolle Sache."

Nach seiner Rückkehr steht für Hinterleitner fest, dass es nicht bei diesem einen Auslandseinsatz bleiben soll. "Fundierte Vorbereitung und pragmatische Resilienz sind die besten Antworten auf Gefahren. Das war meine erste Auslandsmission für das IKRK – aber bestimmt nicht meine letzte."

Auch OÖ-Rotkreuz-Präsident Gottfried Hirz hebt den Einsatz des Mühlviertlers hervor: "Menschen wie Michael Hinterleitner zeigen, dass das Wissen aus Oberösterreich international Leben schützt und die Resilienz stärkt. Darauf sind wir stolz." Humanitäre Hilfe brauche in hochkomplexen Krisengebieten neben einem großen Herzen vor allem Fachwissen, einen kühlen Kopf und professionelle Vorbereitung.

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