Die Arbeiterkammer Kärnten schlägt Alarm: Im südlichsten Bundesland Österreichs gibt es immer mehr Fälle von gekündigten Arbeitnehmern im fortgeschrittenen Alter. Die Argumente dafür wären oft fadenscheinig, warnt der Kärntner Arbeiterkammer-Präsident Günther Goach. So wohl auch im Fall einer 60-Jährigen.
Sie wurde nach 30 Jahren im Betrieb aus heiterem Himmel gekündigt. Mithilfe der Arbeiterkammer (AK) hat sie dagegen angekämpft – erfolgreich. Wieder in der Firma arbeiten möchte sie jedoch nicht. Im Zuge der Kündigung sei seitens des Arbeitgebers so viel Schmutzwäsche gewaschen worden, dass sie keine Lust mehr hätte.
"Ich komme nicht mehr in einen Betrieb zurück, in dem man mich nach so vielen Jahren plötzlich nicht mehr will", wird die Kärntnerin von der "Kleinen Zeitung" zitiert. Als Entschädigung wurde der 60-Jährigen immerhin ein Jahresgehalt zugesprochen.
Seitens der AK wird betont, dass viele Betroffene meist nicht wissen würden, wie sie sich gegen "unfaire Kündigungen" wehren können. Laut dem AK-Rechtsexperten Maximilian Turrini müsse eine Anfechtung jedenfalls innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung eingebracht werden.
Gerade ältere und langjährige Mitarbeiter seien hier besonders geschützt. Dazu müssen sie allerdings mindestens sechs Monate im Betrieb tätig gewesen sein. Des Weiteren darf der Betriebsrat der Kündigung nicht zustimmen. Sind diese Fälle erfüllt, habe man gute Chancen, gegen die Kündigung vorzugehen.
Die Gründe dafür, dass man im höheren Alter gekündigt wird, würden sich auf die Bezahlung und die Produktivität beziehen. Ältere Angestellte verdienen in der Regel mehr. Aufgrund des steigenden Tempos in der Arbeitswelt würden sie jedoch oft auf der Strecke bleiben. Besonders seit der Corona-Pandemie würde älteres Personal verstärkt gekündigt werden. Nur die Wenigsten würden dann wieder in den Betrieb zurückkehren.
Laut einer SORA-Studie treffe der plötzliche Jobverlust die Ü50-Generation besonders hart. Knapp jeder Zehnte sehe sich im Bewerbungsprozess mit Altersdiskriminierung konfrontiert. Bei Über-60-Jährigen sei die Lage noch schlimmer. Betrachtet man Betriebe, die mehr als 20 Arbeiter beschäftigen, so stellen nur drei von zehn eine Person, die älter als 60 Jahre ist, ein.
Vor allem Frauen hätten es schwer. Jede Dritte wechselt vom Job in die Arbeitslosigkeit anstatt in die Pension. Kärntens AK-Chef Goach will hier die Betriebe stärker in die Pflicht nehmen. Er schlägt ein Bonus-Malus-System vor. Dieses soll Firmen unterstützen, die ältere beschäftigen und jene zur Kasse bitten, die es nicht tun würden.