Erst vier Wochen alt ist das neue Schuljahr. Sophie, eine engagierte Lehrerin an einer sogenannten Wiener Brennpunktschule zeigt dennoch schon erste Ermüdungserscheinungen.
Denn, zusätzlich zu allen bisherigen sprachlichen und kulturellen Problemen kam heuer auch das Kopftuchverbot hinzu. Erste Bilanz für Wien: Es kommt zu 98 Vorladungen, 18 Eltern droht schon jetzt eine Strafe.
Für die 25-jährige Volksschullehrerin bringt das Verbot eine Reihe neuer Probleme mit sich: "In den ersten Tagen nach den Sommerferien ist eine meiner Schülerinnen wiederholt mit Kopftuch in die Klasse gekommen." Gut gemeinte Gespräche hätten in dieser Anfangszeit nichts gebracht, am Folgetag waren die Haare des Mädchens (10) wieder komplett verhüllt.
"Erst als wir die Familie offiziell ermahnt haben, hat es Wirkung gezeigt", sagt Sophie. Seitdem trägt die Schülerin kein Kopftuch mehr. Aber problemlos ist die Situation noch lange nicht, beschreibt Sophie.
"Die Eltern waren gar nicht begeistert, sie dachten wohl, das neue Gesetz wird nicht ernst genommen", sagt die Lehrerin, "doch auch diese Familie hält sich endlich an die Regeln."
Allerdings haben jetzt plötzlich auch die Eltern Forderungen: "Es ist ein Protest, mit dem wir nicht gerechnet haben", beschreibt Sophie. Denn mit offenen Haaren, meinen die Eltern des Kindes, "darf es auf kein Klassenfoto, es soll in keinem Fall irgendwo ohne Kopftuch fotografiert werden", das fordern jetzt die Eltern von der Schule.
Der Stress geht also für die Pädagogen und Betreuer weiter, denn öffentlich darf sich das Kind noch immer nicht ohne Kopftuch zeigen – das ist die Anweisung der Eltern.