Nach Bekanntwerden des erstinstanzlichen Urteils gegen den bisherigen ÖVP-Klubobmann August Wöginger – 7 Monate bedingte Haft, rund 43.000 Euro Geldstrafe – reagierte neben Bundeskanzler Christian Stocker auch Grünen-Chefin Leonore Gewessler auf den Fall des mittlerweile zurückgetretenen Klubobmanns.
Das Urteil bezeichnet Gewessler als "das traurige Ergebnis einer von der ÖVP anscheinend akzeptierten Praxis, der zufolge Parteizugehörigkeit bei der Postenvergabe mehr zählt als Kompetenz". Und weiter: "Anstatt Verantwortung zu übernehmen, hat die ÖVP in den letzten Monaten jedes Unrechtsbewusstsein vermissen lassen. Dieses Verhalten hat der Glaubwürdigkeit von Politik massiv geschadet."
Das will die ÖVP jedenfalls nicht auf sich sitzen lassen. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti kritisiert nun seinerseits die Parteichefin der Grünen: "Wer den Ausdruck ,Green Jobs‘ sprichwörtlich neu besetzt hat, sollte sich lieber zurückhalten", erklärt er in einem Statement. Gewessler habe selbst "Postenschacher in Reinkultur" betrieben, so Marchetti.
Es sei allgemein bekannt, dass Gewessler in ihrer Zeit als Klimaministerin "alles andere als zimperlich war, wenn es darum ging, Stellen in ihrem Ressort mit ihren Vertrauten zu besetzen", so der ÖVP-General.
Nicht zuletzt habe auch die Bundes-Gleichbehandlungskommission eine zentrale Personalentscheidung im damals von Leonore Gewessler geführten Umweltministerium deutlich kritisiert, weil entgegen der Empfehlung der Kommission eine persönliche Mitarbeiterin von Gewessler vorgereiht wurde, führt Marchetti ins Treffen.
Der Grünen-Chefin empfiehlt der Politiker, "vor ihrer eigenen Haustüre zu kehren". Das Ausmaß der grünen Doppelmoral lasse einen sprachlos zurück, so der ÖVP-Mann abschließend.