E-Scooter gehören längst zum Stadtverkehr. Leider führen sie aber auch zu Unfällen mit sehr jungen Schwerstverletzten oder sogar Toten. Erst am Montag wurde ein 14-Jähriger auf einem E-Scooter in Wien von einem Lastwagen überrollt – er starb kurz darauf in einem Wiener Spital.
Gerade bei plötzlichen Bremsmanövern oder auf nasser Fahrbahn kann es gefährlich werden. Ein Forschungsprojekt der TU Wien und des AIT Austrian Institute of Technology untersucht deshalb, wie elektronische Assistenzsysteme das Unfallrisiko senken könnten.
Das Projekt "FANFARE" nimmt ein neu entwickeltes Bremsassistenzsystem unter die Lupe. Es soll die Bremskraft zwischen Vorder- und Hinterrad automatisch anpassen. Damit sollen kritische Situationen entschärft, Bremswege verkürzt und Stürze oder Überschläge seltener werden.
Die Technik funktioniert nach dem sogenannten Brake-by-Wire-Prinzip. Dabei wird die mechanische Verbindung zwischen Bremshebel und Bremse durch eine elektronische Steuerung ersetzt. Das System berücksichtigt unter anderem die Geschwindigkeit des E-Scooters, das Gewicht der fahrenden Person und deren Standposition. Daraus berechnet es in Echtzeit, wie die Bremskraft optimal verteilt werden soll.
Während vergleichbare Systeme wie ABS oder elektronische Stabilitätsprogramme bei Autos und Motorrädern bereits verbreitet sind, gibt es solche Lösungen für E-Scooter bislang kaum. FANFARE soll zeigen, ob sich diese Konzepte auf die Mikromobilität übertragen lassen.
Die Wirkung der Technik wird bei Fahrversuchen auf dem Gelände des AIT untersucht. Probandinnen und Probanden testen das System unter kontrollierten Bedingungen. Dabei werden nicht nur Bremsleistung und Fahrstabilität gemessen. Auch das subjektive Sicherheitsempfinden, die Akzeptanz und das Zusammenspiel zwischen Mensch und Assistenzsystem fließen in die Untersuchung ein.
Das AIT übernimmt die Planung und Durchführung der Testreihen sowie die Auswertung der Daten. Frühere Fahrversuche im Vorgängerprojekt "SEED" lieferten bereits Grundlagen zur Fahrdynamik verschiedener E-Scooter-Modelle. Diese Erkenntnisse bildeten die Basis für die Entwicklung des Systems durch die TU Wien.
"'FANFARE' bietet die Möglichkeit, erstmals wissenschaftlich zu untersuchen, welchen Beitrag aktive Fahrerassistenzsysteme zur Unfallvermeidung in der Mikromobilität leisten können", erklärt Paul Rosenkranz, Projektverantwortlicher am AIT.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur im Rahmen des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds gefördert. Ob und wie stark die neue Technik die Sicherheit tatsächlich verbessert, sollen die Untersuchungen zeigen.