Ein E-Scooter wird von der Polizei kontrolliert, der Lenker drückt ein paar Tasten und plötzlich fährt das Gerät deutlich langsamer. Ein Begriff sorgt derzeit für Aufmerksamkeit: "Police Mode". Was nach einer offiziellen Funktion klingt, ist aber nicht einfach ein eigener Knopf, den Hersteller serienmäßig für Polizeikontrollen einbauen. Bei den derzeit bekannten Fällen handelt es sich um eine Funktion bestimmter veränderter Software und sogenannter Custom Firmware. Damit lässt sich ein zu schneller Scooter kurzfristig auf niedrigere Geschwindigkeit begrenzen.
Die Polizei kennt diese Möglichkeit inzwischen – und weiß, wie man die entsprechenden Scooter kontrolliert. Der Name "Police Mode" ist etwas irreführend. Es handelt sich nicht um eine einheitliche Funktion, die bei allen E-Scootern gleich funktioniert. Je nach Modell und verwendeter Software können sich die Möglichkeiten unterscheiden. Bei modifizierten Ninebot- beziehungsweise Segway-Scootern wird beispielsweise beschrieben, dass ein Fahrzeug beim Einschalten zunächst auf eine niedrigere Geschwindigkeit begrenzt wird.
Erst eine bestimmte Tastenkombination kann anschließend ein anderes Fahrprofil aktivieren. Klassische Beispiele sind oft das Drücken der Plus- und Minustaste am Display oder drei- bis viermaliges Drücken der Bremse hintereinander. Bei anderen Umbauten kann zwischen einem normalen und einem entsperrten Fahrprofil gewechselt werden. In der Szene werden dafür auch Begriffe wie "Panic Mode" oder "Panic Button" verwendet. Die Idee dahinter ist ähnlich: Ein schnelleres Profil soll möglichst rasch durch ein langsameres ersetzt werden können.
Das bedeutet aber auch: Nicht jeder E-Scooter mit einem "Police Mode" verhält sich gleich. Es gibt keine einheitliche technische Vorgabe dafür, welche Geschwindigkeit eingestellt wird, welche Tastenkombination verwendet wird oder welche weiteren Funktionen sich verändern. In Österreich gelten für E-Scooter klare technische Grenzen. Seit 1. Mai 2026 darf ein E-Scooter höchstens 25 km/h Bauartgeschwindigkeit und höchstens 600 Watt Leistung haben. Das schreibt das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur vor.
Genau hier wird der "Police Mode" problematisch. Ein Scooter kann technisch verändert werden, sodass er schneller fährt als gesetzlich vorgesehen. Wird anschließend vor einer Kontrolle ein langsameres Fahrprofil aktiviert, kann das Gerät bei einer oberflächlichen Prüfung einen anderen Eindruck vermitteln als während der Fahrt im entsperrten Zustand. Dass dieses Thema nicht nur theoretisch ist, zeigen aktuelle Schwerpunktaktionen der Polizei. Reihenweise wurden Modelle mit "Police Mode" entdeckt und aus dem Verkehr gezogen.
Ein schnellerer Scooter wird nicht dadurch legal, dass man ihn für eine Kontrolle vorübergehend langsamer macht. Der Name klingt harmloser, als die Sache ist. Besonders heikel wird es, wenn ein Scooter zunächst für höhere Geschwindigkeiten verändert und anschließend mit einem "Police Mode" versehen wird. In der Szene werden solche Kombinationen teilweise ganz offen angeboten. Es gibt etwa Anbieter von Custom Firmware, die ausdrücklich mit einem "Police Mode" und einem "Panic Button" werben.
Auch auf dem österreichischen Gebrauchtmarkt finden sich entsprechende Angebote. In einer aktuellen Wiener Anzeige wird etwa ein Ninebot Max G2 mit einer möglichen Geschwindigkeit von 40 km/h und einem "Police Mode" angeboten. Für die Polizei bedeutet das zusätzliche Arbeit. Die Zahl unterschiedlicher Modelle, Softwareversionen und technischer Umbauten macht eine Kontrolle komplizierter. Gleichzeitig zeigen die Erfolge der Exekutive, dass die Beamten inzwischen auch die technischen Tricks rund um "Police Modes" kennen.
Der vielleicht wichtigste Punkt ist deshalb schnell erklärt: Ein langsameres Fahrprofil verändert nicht automatisch die rechtliche Einstufung eines Fahrzeugs. Wenn ein E-Scooter technisch so verändert wurde, dass er schneller als die erlaubten 25 km/h fahren kann, wird er durch das Umschalten auf ein langsameres Profil nicht nachträglich zu einem gesetzeskonformen E-Scooter. Die österreichischen Vorgaben knüpfen unter anderem an die Bauartgeschwindigkeit und Leistung an. Wird dagegen verstoßen, kann es schnell sehr teuer werden.