Mehrmals abgewiesen

Nach Vergewaltigung: Transfrau wurde nicht behandelt

Nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung suchte Viola dringend Hilfe. Doch in Linz begann für die Transfrau ein stundenlanger Spießrutenlauf.
Österreich Heute
28.08.2026, 18:44
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In der Nacht auf den 26. Mai 2026 war Viola vermutlich unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden. An vieles konnte sie sich danach nicht erinnern. In der Früh gelang ihr die Flucht aus der Wohnung.

Viola brauchte dringend Hilfe, stattdessen begann für die Transfrau eine stundenlange Odysee von einer Linzer Klinik in die nächste. Nach der mutmaßlichen Vergewaltigung wollte sie medizinisch versorgt und untersucht werden. Doch in den ersten beiden Spitälern kam es zu keiner Behandlung.

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Dabei zählte für Viola jede Minute. Sie vermutete, dass ihr in der Nacht K.-o.-Tropfen verabreicht worden waren. Solche Substanzen sind im Körper nur kurze Zeit nachweisbar. Blut oder Urin müssen deshalb möglichst rasch abgenommen werden. Auch die Spuren der mutmaßlichen Vergewaltigung mussten gesichert werden.

Barfuß auf der Straße um Hilfe gebeten

Barfuß und völlig aufgelöst fragte sie Passanten um Hilfe. Erst die dritte Person lieh ihr ein Handy. So konnte Viola eine Freundin erreichen. Diese wollte mit ihr nach Hause gehen. Viola wusste jedoch, dass sie die Polizei einschalten musste. Um 8.23 Uhr wählte die Freundin den Notruf. Um 8.30 Uhr trafen zwei Polizisten ein.

Rettungswagen bracúchte 45 Minuten

"Sie haben mich zwar völlig aufgelöst am Boden sitzend vorgefunden und ich habe sicher auch in Rätseln gesprochen. Aber ich habe ihnen auf jeden Fall klargemacht, dass ich gerade vergewaltigt und mir vermutlich etwas ins Getränk gemischt wurde", wird Viola in "Moment.at" zitiert.

Die Beamten riefen sofort einen Rettungswagen. Doch 45 Minuten lang kam keiner. Die Wartezeit habe "außerhalb der gebotenen Verhältnismäßigkeit" gestanden, hielten die Polizisten später in ihrem Bericht fest. Also brachten sie Viola selbst mit dem Polizeiauto ins Krankenhaus Barmherzige Brüder. Ihre Freundin begleitete sie.

Ärztin fragte nach Geschlechtsidentität

In der Gynäkologie standen bereits eine Ärztin und drei Krankenpflegerinnen bereit. Doch bevor Viola untersucht wurde, stellte die Ärztin laut ihrer Schilderung eine Frage: "Wenn wir zwischen ihre Beine schauen, was finden wir dann vor?"

Viola erklärte, dass sie eine Transfrau sei. Kurz darauf habe die Ärztin gesagt, sie könne nicht behandelt werden, weil sie "keine phänotypische Frau" sei. Dabei habe sie sich auf interne Leitlinien berufen, das beichtet "moment.at".

Die Krankenhausleitung erklärte später, die Leitlinien seien lediglich Empfehlungen und stellten keine Verbote dar. Bei Vergewaltigungsopfern habe sich aufgrund unterschiedlicher Fachexpertise eine Aufteilung nach Geschlechtern bei Spurensicherung und Unterbringung etabliert.

Ewige Wartezeit

Viola wurde in ein angrenzendes Zimmer gebracht. Dort wartete bereits die polizeiliche Spurensicherung. Doch auch dort kam es zu keiner Untersuchung. Die Beamten rückten wieder ab. Die Polizei erklärte später, die Kollegen vor Ort hätten festgestellt, dass es sich um Spuren handle, die vom Krankenhaus zu sichern seien.

Die Linzerin wurde schließlich in den Wintergarten gebracht. Dort musste sie weitere 45 Minuten warten. Sie hatte Schmerzen und Panikattacken. Laut Polizeibericht verschlechterte sich ihr Zustand sichtbar, weil sie keine entsprechende Hilfe erhielt.

Auch Blut und Urin wurden nicht abgenommen – obwohl Viola immer wieder darauf hingewiesen hatte, dass sie vermutlich unter Drogen gesetzt worden war. Das Krankenhaus erklärte dazu, man habe aufgrund der Weiterleitung darauf verzichtet. Der Test auf K.-o.-Tropfen fiel später negativ aus.

Zweite Spital nicht zuständig

Viola wurde ins Ordensklinikum Elisabethinen geschickt. Doch kaum war sie dort angekommen, folgte die nächste Abweisung, so "moment.at". Eine Krankenpflegerin erklärte, auch dieses Krankenhaus sei nicht zuständig.

Das Ordensklinikum erklärte auf Anfrage von "moment.at", man habe "aufgrund der geschilderten Tat und zur weiteren fachlichen Untersuchung" entschieden, Viola in die Gewaltambulanz des Kepler Universitätsklinikums zu schicken. Es war bereits 10.40 Uhr. Seit dem Notruf waren mehr als zwei Stunden vergangen.

Die Polizisten diskutierten mit der Pflegerin und machten deutlich, dass endlich eine Spurensicherung erfolgen müsse. Doch Viola wurde weiterhin nicht untersucht.

Krampfanfall auf dem Weg ins dritte Krankenhaus

Auf dem Weg zum dritten Krankenhaus erlitt Viola, die unter Epilepsie leidet, einen Krampfanfall – laut Bericht wohl ausgelöst durch Stress und Belastung.

Im Kepler Universitätsklinikum kam sie schließlich in die Gewaltambulanz. Laut Polizeibericht wurde sie vorerst in einem "Abstellraum" untergebracht. "Ich war schmerzüberströmt, habe kaum noch reden können. Die Polizist, meine Freundin und ich haben mehrmals darauf hingewiesen, dass ich einen Krampfanfall habe und Hilfe brauche. Aber sie haben mir nicht geholfen. Ich habe keine Schmerzmittel bekommen, ich habe keine krampflösenden Mittel bekommen. Gar nichts."

Laut Polizeibericht wurde schließlich von den Beamten "Druck ausgeübt, sodass es endlich zu einer Hilfeleistung kommt".

Erst nach Diskussionen begann Untersuchung

Um 11.50 Uhr übernahm die Urologie die Behandlung, dort wurde Viola endlich untersucht und Blut abgenommen.

Dabei dokumentierte das Team Kratzspuren im Hüftbereich und Verletzungen im Analbereich. Schmerzmittel erhielt Viola zunächst nicht. Um 13.30 Uhr wurde schließlich auch die Kleidung sichergestellt, die sie in der Wohnung des mutmaßlichen Täters getragen hatte. Seit der ersten Einlieferung ins Krankenhaus waren zu diesem Zeitpunkt dreieinhalb Stunden vergangen.

Strafanzeige gegen alle drei Spitäler

Nach den Ereignissen ließ sich Viola auf eigenen Wunsch in die psychiatrische Abteilung des Uniklinikums bringen. Erst am nächsten Tag erhielt sie Schmerzmittel. Ein Antiepileptikum bekam sie am Abend.

Inzwischen erstattete Viola gegen alle drei Krankenhäuser Strafanzeige. "Eigentlich hätten alle drei Krankenhäuser die Möglichkeit gehabt, mich zu untersuchen. Und sie hätten die Pflicht gehabt, mich zu behandeln. Es sollte bekannt sein, dass bei K.-O.-Tropfen jede Minute zählt", sagt Viola.

Queere Community stärkt Viola den Rücken

Einige Tage nach dem Vorfall machte sie ihre Erlebnisse auf Instagram öffentlich und wandte sich an Medien.

Aus der queeren Community erhielt Viola viel Zuspruch. Menschen meldeten sich bei ihr, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Auch von einigen oberösterreichischen Politikern habe sie Unterstützung erhalten. Die Krankenhäuser erklärten auf Anfrage, ihre internen Abläufe überprüfen und gegebenenfalls anpassen zu wollen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 28.08.2026, 18:44
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