Expansion nach Deutschland

Nach zehn Jahren Streit – spusu zündet jetzt den Turbo

Der österreichische Mobilfunkanbieter spusu startet in Deutschland. Dem voran ging ein jahrelanger Rechtsstreit, der selbst den EuGH beschäftigte.
Team Wirtschaft
17.06.2026, 12:51
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Der österreichische Mobilfunkanbieter spusu (steht für „sprich und surf“) wagt den Sprung nach Deutschland. Das Familienunternehmen, gegründet 2015 von Franz Pichler, ist hierzulande seit Jahren aktiv und zählt allein in Österreich rund 700.000 Kunden. Gemeinsam mit Italien, Großbritannien und der Schweiz sind es sogar mehr als eine Million.

Rechtsstreit zog sich über ein Jahrzehnt

In Deutschland kommt der Markteintritt erst nach langen rechtlichen Auseinandersetzungen zustande. Über mehr als zehn Jahre lang wurden prozessiert, weil der deutsche Mitbewerber O2/Telefonica die Österreicher nicht ins Netz lassen wollte, obwohl das nach spusu-Ansicht gegen EU-Auflagen verstieß. Zusätzlich standen die deutschen Regulierer auf der Bremse. Das ist jetzt Geschichte. Genutzt wird nämlich das Netz von Vodafone, und nicht von O2/Telefonica.

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spusu will auch beim Nachbarn mit Service punkten

"Durch den Verzicht auf Chatbots und externe Callcenter können wir höchste Qualität und schnelle Abhebezeiten garantieren", zitieren deutsche Medien spusu-Gründer Franz Pichler. Rufe ein Kunde an, hebe man im Schnitt nach zehn Sekunden ab. Auch über WhatsApp wolle man rasch erreichbar sein.

spusu setzt damit in Deutschland auf ein Modell, das viele Kunden aus Österreich kennen: kurze Wege im Service, einfache Tarife und keine langen Bindungen. Das Unternehmen erklärt, man wolle mit "Bodenständigkeit, Regionalität und Kundennähe" punkten. In Deutschland soll dafür ein eigener Standort mit lokalem Team aufgebaut werden.

Keine versteckten Gebühren, keine Vertragsbindung

Bei den Tarifen verspricht spusu wie auch in Österreich keine Mindestvertragslaufzeit, keine Anschlussgebühr und keine versteckten Kosten. Alle Verträge seien zum Monatsende kündbar. Ein Handy könne zwar ebenfalls über spusu bezogen werden, der Kauf sei aber nicht an einen langen Mobilfunkvertrag gekoppelt.

Alle Tarife sollen Geschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit/s im Download und bis zu 75 Mbit/s im Upload im 5G-Netz bieten. Das gebuchte Datenvolumen kann in der EU, in der Schweiz und in Großbritannien genutzt werden. Nicht verbrauchte Daten lassen sich in den Folgemonat mitnehmen. Ist das gebuchte Volumen aufgebraucht, wird auf 128 Kbit/s gedrosselt.

Ab 4,90 Euro – fünf Tarife zum Deutschland-Start

Zum Start bietet spusu in Deutschland fünf Tarife an. Der kleinste Tarif kostet 4,90 Euro im Monat und enthält 5 GB Datenvolumen. Danach folgen 10 GB um 6,90 Euro und 20 GB um 9,90 Euro. Besonders auffällig ist der Aktionstarif "spusu legendär": Er bringt 80 GB um 12,90 Euro im Monat. Der größte Tarif enthält 100 GB und kostet 19,90 Euro monatlich. Alle Tarife sind monatlich kündbar, nutzen 5G im Vodafone-Netz und kommen ohne Anschlussgebühr.

Telefonie ist innerhalb Deutschlands, der EU und Großbritanniens unlimitiert enthalten, auch SMS sind inkludiert. Für Gespräche aus Deutschland in andere EU-Länder sind je Tarif 1.000 Minuten vorgesehen.

spusu bringt eigene Technik mit

Technisch ist spusu in Deutschland ein sogenannter Full-MVNO. Das bedeutet: Der Anbieter betreibt kein eigenes Funknetz, nutzt aber nicht bloß einen einfachen Wiederverkaufstarif.

Das technische Herzstück betreibt spusu nämlich selbst: ein eigenes Mobilfunk-Core-Netz. Darüber steuert der Anbieter etwa Verbindungen zu anderen Netzen und ins Web. spusu erklärt, man könne dadurch Abläufe selbst kontrollieren und flexibler auf Kundenwünsche reagieren.

Vodafone begrüßt "ambitionierten Partner"

Auch Vodafone begrüßt den neuen Partner. "Wir haben in den vergangenen Jahren stark in den Ausbau unseres Mobilfunknetzes investiert und unsere Infrastruktur für Partner attraktiv gemacht", sagt Sven Müller, Director Strategy & Transformation und Mitglied der Geschäftsleitung von Vodafone Deutschland. Mit spusu gewinne man "einen ambitionierten Partner", der in Österreich bereits gezeigt habe, wie man Kunden begeistern könne.

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