Die russische Kremlkritikerin Julia Nawalnaja ruft dazu auf, bei der Parlamentswahl im September die kriegskritische Oppositionspartei Jabloko zu wählen. Die liberale Jabloko sei "derzeit die einzige Partei auf dem Stimmzettel, die öffentlich eine Haltung gegen den Krieg vertritt", sagte die im Ausland lebende Witwe des verstorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny am Donnerstag in einem über Onlinedienste veröffentlichten Video.
Aus ihrer Sicht sei es "moralisch und politisch richtig", diese Partei zu unterstützen, so Nawalnaja. Die Wahl sei trotz absehbarer Fälschungen die "einzige legale und sichere Gelegenheit seit vielen Jahren", um Widerspruch gegen die russische Führung zu zeigen.
Jabloko ist die einzige zur Wahl zugelassene Partei, die ein Ende des Kriegs in der Ukraine fordert. Die Parteiführung spricht von einem Referendum, das dem Kreml zeigen soll, dass Millionen Russen den Krieg ablehnen.
In den 1990er Jahren galt die liberale Partei als Hoffnungsträgerin der pro-westlichen Opposition. Seit 2003 ist sie aber nicht mehr mit einer Fraktion in der Staatsduma, dem Unterhaus des russischen Parlaments, vertreten. In letzter Zeit geht die russische Justiz verstärkt gegen die Partei und ihre Vertreter vor.
Im Juni wurde der Vizechef Maxim Kruglow wegen kritischer Beiträge über den Krieg zu sieben Jahren Straflager verurteilt. Der im Februar 2024 in einem Straflager in Sibirien verstorbene Nawalny war zeitweise Mitglied bei Jabloko, wurde aber 2007 aus der Partei ausgeschlossen.
In ihrem aktuellen Appell bittet seine Witwe Nawalnaja, frühere Meinungsverschiedenheiten beiseite zu legen und gemeinsam "die Pläne des Kremls zu durchkreuzen".
Die Chancen von Jabloko auf einen Einzug ins Parlament sind äußerst gering. Wahlen werden in Russland streng von den Behörden kontrolliert, unabhängige Oppositionelle sind so gut wie ausgeschaltet.