In Niederösterreich verschwinden weiter große Flächen unter Straßen, Betriebsgebieten und neuen Siedlungen. Laut aktuellem WWF-Bodenreport werden im Land durchschnittlich 1,9 Hektar Boden pro Tag neu beansprucht. Damit hat Niederösterreich den höchsten absoluten täglichen Bodenverbrauch aller Bundesländer.
Auch beim Verbrauch pro Kopf liegt NÖ weit vorne. Auf jeden Einwohner kommen 952 Quadratmeter beanspruchte Fläche. Nur das Burgenland weist einen noch höheren Wert auf mit 1.251 verbrauchten Quadratmetern Boden und 30 Straßenmetern pro Person.
Der WWF bewertet die Bodenpolitik Niederösterreichs mit der Gesamtnote 3,2 und damit als "lückenhaft". Zwar gebe es regionale Raumordnungsprogramme, Siedlungsgrenzen und Schutzinstrumente für landwirtschaftliche Flächen. Zahlreiche Ausnahmen und eine aus Sicht der Naturschutzorganisation zu schwache Kontrolle würden deren Wirkung aber einschränken.
Kritik gibt es auch an großen Wirtschafts- und Straßenprojekten. Als Beispiel nennt der WWF die geplante Erweiterung des Gewerbeparks in Leobersdorf (Bezirk Baden) um rund acht Hektar. Besonders brisant: In der Umgebung stehen laut Bericht bereits Gewerbeflächen leer.
NEOS-Umweltsprecher Christoph Müller fordert deshalb strengere Vorgaben. "Niederösterreich verbraucht derzeit allein so viel Boden, wie Österreich in Zukunft maximal verbrauchen sollte", warnt er. Für den Politiker braucht es verbindliche Ziele beim Bodenschutz. Gemeinden dürften finanziell nicht länger dazu gedrängt werden, neue Gewerbegebiete und Bauland auf der grünen Wiese auszuweisen. Stattdessen sollen Ortskerne, Leerstände und bereits verbaute Flächen stärker genutzt werden.
Die NEOS fordern zudem einen Bodensparbonus im Finanzausgleich und mehr Möglichkeiten für Gemeinden, versiegelte Flächen zu entsiegeln und zu begrünen. Öffentliche Bauprojekte sollen nach Vorstellung der Partei bevorzugt auf bereits genutzten Flächen, in Ortskernen oder auf Baulücken entstehen.
Trotz leicht gesunkenem Verbrauch bleibt der Druck auf Niederösterreichs Böden enorm: Jeden Tag geht im Schnitt eine Fläche von fast drei Fußballfeldern verloren.