Auch kleine Beträge erfasst

Neue Kreditregeln ab November – mit harten Geldstrafen

Ab 20. November gelten strengere Regeln für Verbraucherkredite. Ziel ist mehr Schutz vor Überschuldung durch Onlinekäufe und Kleinstkredite.
Digital  Heute
27.09.2026, 16:47
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Ein paar Klicks reichen, um einen Einkauf auf später zu verschieben. Doch gerade bei kleinen Beträgen kann sich schnell der Überblick verlieren. Ab 20. November gelten in Österreich deshalb strengere Regeln für Verbraucherkredite. Sie sollen Konsumenten besser schützen und erfassen künftig auch Finanzierungsmodelle, die bisher nicht oder nur eingeschränkt unter das Kreditrecht gefallen sind. Österreich setzt damit eine EU-Richtlinie um.

Wie der ORF berichtet, sieht Eike Grabher von der ifs-Schuldenberatung eine zunehmende Gefahr durch den einfachen Zugang zu Finanzierungsangeboten. "Heute ist es leichter als früher, heute geht alles über Mausklick und Knopfdruck. Ich bin in wenigen Sekunden bei allen möglichen Finanzierungsangeboten", sagt Grabher. Seit Jahresbeginn habe die Schuldenberatung mehr als 3.100 Klientenkontakte gezählt – aus allen Altersgruppen.

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Auch kleine Beträge und zinsfreie Modelle erfasst

Eine wesentliche Neuerung ist der erweiterte Anwendungsbereich. Künftig werden auch Kleinstkredite unter 200 Euro, zinsfreie Finanzierungen und viele "Jetzt kaufen, später zahlen"-Modelle strenger geregelt. Dazu können etwa auch Handys zählen, deren Kaufpreis über einen Mobilfunkvertrag finanziert wird. Die konkreten gesetzlichen Pflichten hängen allerdings von der jeweiligen Vertragsform und den gesetzlichen Ausnahmen ab.

Kreditgeber müssen die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden künftig genauer prüfen und sie vor Vertragsabschluss umfassender informieren. Ergibt die Prüfung, dass die Rückzahlung voraussichtlich nicht möglich ist, darf der Kredit nicht vergeben werden. Auch bei der Werbung gibt es neue Vorgaben: Kreditangebote müssen klar als solche erkennbar sein und auf Risiken hinweisen. Bestimmte Kopplungsgeschäfte, bei denen ein Kredit nur gemeinsam mit einem weiteren Produkt abgeschlossen werden kann, werden verboten oder eingeschränkt. Wer sich nicht dran hält, bekommt Geldstrafen aufgebrummt.

Bei Zahlungsrückständen sollen Kreditgeber zudem angemessene Nachsichtsmaßnahmen anbieten, bevor sie eine Zwangsvollstreckung einleiten. Dazu kann etwa eine Umschuldung zählen. Bei Verstößen gegen die gesetzlichen Verpflichtungen drohen Geldbußen.

Banken erwarten kaum Änderungen

Für Banken dürfte die Umstellung weniger stark ausfallen als für den Handel. "Wir Banken haben immer schon eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt, daher ist es für uns kein großes Thema", sagt Harald Giesinger, Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse und stellvertretender Bankensprecher in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Die größere Gefahr liege aus seiner Sicht darin, mehrere Finanzierungen parallel laufen zu haben und dadurch den Überblick zu verlieren. "Dass man den Überblick verliert, wenn man zu viele Finanzierungen am Laufen hat – bei Banken oder bei Händlerfinanzierungen – und dass das natürlich irgendwann auch zurückbezahlt werden muss", warnt Giesinger.

Bei der Dornbirner Sparkasse machen Konsumkredite laut Giesinger weniger als zwei Prozent aller laufenden Finanzierungen aus. Dieser Anteil sei auch bei anderen Banken ähnlich und habe sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert. Ein Konsumkredit liege im Schnitt bei rund 14.000 Euro, die Bandbreite reiche von 2.500 bis 15.000 Euro.

Auffällig sei auch der Zeitpunkt der Nachfrage: Konsumkredite würden vor allem in den Sommermonaten stärker nachgefragt. Rund um Weihnachten liege die Nachfrage nach klassischen Bankkrediten hingegen eher unter dem Durchschnitt. Das Weihnachtsgeschäft werde demnach häufiger über Ratenkäufe und Zahlungsziele im Handel finanziert.

Händler müssen Abläufe erst aufbauen

Im Handel dürfte die Umstellung stärker spürbar sein. Echte Kreditwürdigkeitsprüfungen seien für viele Händler Neuland, die nötigen Abläufe müssten erst eingerichtet oder extern eingekauft werden. Daher könnten Ratenkäufe und "Jetzt kaufen, später zahlen"-Angebote zum Start der neuen Regeln seltener werden.

Der österreichische Informationsdienstleister CRIF, der Daten zur Zahlungs- und Kreditfähigkeit von Privatpersonen und Unternehmen sammelt und analysiert, rechnet laut ORF-Bericht damit, dass der zusätzliche Prüfaufwand auch die Preise beeinflussen könnte. Der Zeitpunkt ist für den Handel heikel: Die neuen Bestimmungen treten kurz vor der umsatzstarken Weihnachtszeit sowie vor Black Friday und Cyber Monday in Kraft.

Die ifs-Schuldenberatung sieht die strengeren Vorgaben dennoch als wichtigen Schritt beim Konsumentenschutz. "Es könnte für manche Menschen schwieriger werden, auch Kleinkredite zu bekommen, wenn die Bonitätsprüfung genauer ist. Allerdings ist das per se nichts Schlechtes", sagt Grabher. Denn vermeintliche Überbrückungen könnten Menschen in eine Schuldenfalle und schließlich in die Insolvenz führen. "Es hat niemand etwas davon, wenn Kredite oder Ratenkäufe vergeben werden, die nicht erfüllt werden können", so der Schuldenberater.

Häufige Gründe für Überschuldung seien laut Grabher eine frühere Selbstständigkeit, unerwartete Einkommensverluste durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit sowie Trennungen und Scheidungen.

red,27.09.2026, 16:47