In den letzten Tagen machte wieder eine – für Österreich sehr erfreuliche – Grafik auf Social Media die Runde: Europaweit fahren nur die Schweizer (und die Luxemburger, die in ihrem Mini-Netz aber gratis unterwegs sind) mehr mit dem Zug als wir.
Und Bahnfahren wird immer beliebter. Einer der Hauptgründe sind die enormen Ausbauprojekte der ÖBB, die gerade nach und nach fertig werden. Die aktuell 320.000 Klimaticket-Besitzer werden auch ihren Anteil haben.
Der Fahrplan 2013 mit Wienerwald-Tunneln und Hochleistungsstrecke im Tullnerfeld halbierte die Fahrtzeit zwischen Wien und St. Pölten, aktuell braucht man nur mehr 22 Minuten, nach Salzburg sind es 2:15. Heuer kam auf der Südstrecke der Koralmtunnel hinzu, 2029 wird die Fahrtzeit mit dem Semmering-Basistunnel um weitere 35 Minuten sinken. Wien-Graz dauert dann nur mehr 1:50, Wien-Klagenfurt 2:40. 2032 folgt der Brenner-Basistunnel.
Was viele nicht wissen: Wer die richtigen (strengen) Genehmigungen hat und dem Inhaber der Infrastruktur (also der ÖBB) eine Maut zahlt, kann sich einen freien Slot auf den Schienen suchen und selbst mit Zügen Passagiere befördern. So macht das die Westbahn auf West- und Südstrecke sowie in Richtung Tschechien, Slowakei und Ungarn der RegioJet.
Kommendes Jahr wird ein weiterer Zug-Betreiber auf Österreichs Schienen unterwegs sein, wie im "Ö1-Morgenjournal" verkündet wird. Bislang dürfte die Firma nur echten Zug-Insidern ein Begriff sein. Es handelt sich um den Kindheitstraum des Ex-Lokführers Patrick Kröll: Silverstar Railways.
Gegründet wurde das Unternehmen erst 2024, aktuell zählt man zehn Mitarbeiter. Acht davon sind Lokführer, die kurzfristig von anderen Betreibern im Güterverkehr gebucht werden können. Zwei moderne Siemens-Loks sind geleast und werden ebenfalls im Güterverkehr als spontane Aushilfen angeboten oder für touristische Charterfahrten angeboten.
Mittlerweile läuft der nächste Schritt: Die Sicherheitsbescheinigung bei der europäischen Eisenbahnagentur, mit der Silverstar spätestens im September als eigenständiges Eisenbahnunternehmen zertifiziert sein will.
Im "Morgenjournal" wurde indes schon die erste planmäßige Strecke angekündigt. Ab kommendem Jahr soll es direkte Schnellzüge auf der Strecke Wien – Bad Aussee geben. Aktuell ist hier eine Fahrt in einem langsameren ÖBB-Intercity und ein Umstieg in einen Regionalzug in Attnang-Puchheim nötig. Bei Touristen oder Ausflüglern könnte sich die Direktverbindung großer Beliebtheit erfreuen.
Sechs bis sieben weitere Optionen liegen am Tisch, die aktuell noch geprüft werden. Generell schielt man eher in Richtung Süden. "Ein sehr interessanter Markt wäre, Österreich mit Italien zu verbinden oder auch in Richtung Slowenien oder Kroatien die Korridore wieder etwas zu öffnen", lässt Firmen-Chef Kröll auf Ö1 anklingen.
Eisenbahn-Experte Josef Doppelbauer sieht im Markteintritt weiterer Betreiber einige Vorteile für Fahrgäste und verweist auf Vorbilder wie Italien oder Tschechien. Erstens gibt es dadurch mehr Angebot, mehr Züge; zweitens würden die Preise drastisch sinken. In Tschechien gab es einen Rückgang von bis zu 50 Prozent.
Mögliche Probleme: Der Staat müsse beim Ausbau weiter zulegen, denn mehrere kürzere Züge belasten Netz und Infrastruktur natürlich stärker als weniger, lange Züge. Auch Staus auf der Schiene werden dann ein Thema. Und derzeit hat jeder Betreiber ein eigenes Ticket-System, was zu einem wahren Tarif-Dschungel führen kann.