Der Wiener Gemeindebau in der NS-Zeit stand im Mittelpunkt eines mehrjährigen Forschungsprojekts von Wiener Wohnen und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Mit dem Sammelband "Licht, Luft und Schatten" liegt nun der Abschluss dieser Arbeit vor. Präsentiert wurde das 440 Seiten umfassende Buch im Wien Museum, mit dabei waren Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (SP) sowie Wiener Wohnen-Direktorin Karin Ramser.
Über mehrere Jahre hinweg wurde die Geschichte des Wiener Gemeindebaus und des Wohnungsamts in der NS-Zeit wissenschaftlich aufgearbeitet. Analysiert wurden Akteure und Strukturen, nachgezeichnet wurden konkrete Menschenschicksale. Parallel dazu entstand eine umfangreiche Materialsammlung als Basis für die Veröffentlichung. Die Forschung wurde Ende Februar 2025 abgeschlossen. Die Ergebnisse wurden im Gedenkjahr "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
"Es ist gerade in unserer heutigen Zeit ein wichtiges, notwendiges und starkes Zeichen gegen Vergessen und Gleichgültigkeit, die dunkle Geschichte des Wiener Gemeindebaus in der NS-Zeit auf diese Weise auszuleuchten. Mit Beschluss vom 14. Juni 1938 wurden Tausende jüdische Mieterinnen und Mieter systematisch aus ihren Gemeindewohnungen vertrieben", so Gaál. "'Licht, Luft und Schatten' ist ihrem Gedenken gewidmet, zeigt die Entrechtung und Ausgrenzung von Nachbarinnen und Hofbewohnern, die Vertreibung aus ihren Gemeindewohnungen bis zur Vernichtung. 80 Jahre nach Kriegsende ist das Buch eine Einladung, diesen Lebenswegen zu folgen und die Erinnerung wachzuhalten."
"Uns war wichtig, dass die Forschung nicht im Archiv bleibt, sondern Köpfe und Herzen der Gegenwart erreicht – und dabei geht es nicht vordergründig um Akten oder Zahlen, sondern um Biografien: jüdische Mieterinnen und Mieter, die gekündigt und vertrieben oder Menschen, die wegen widerständigen Verhaltens verfolgt wurden. Rundgänge, Gedenkabend, Community Museum und eine eigene Website haben die Ergebnisse zugänglich gemacht, und dieses Buch bündelt sie dauerhaft – als bleibendes Dokument des Erinnerns", so Wiener Wohnen-Direktorin Karin Ramser. Auf einer Website wurden die Geschichten vertriebener Menschen dokumentiert.
Mehrere Beiträge widmen sich ausgewählten Gemeindebauten und den Schicksalen jener Menschen, die dort lebten und als Jüdinnen und Juden verfolgt, gekündigt oder wegen widerständigen Verhaltens Opfer polizeilichen und juristischen Unrechts wurden. Den Abschluss bilden Biografien von verfolgten Männern, Frauen und Kindern, als Gedenkbuch für die Opfer von Gewalt und Terror in den Gemeindebauten.
Der Band trägt den Titel "Licht, Luft und Schatten. Wiener Gemeindebauten in Austrofaschismus und Nationalsozialismus". Herausgegeben wurde er von Claudia Kuretsidis-Haider vom DÖW und ist im Böhlau Verlag erschienen.