Der Ukraine-Krieg trifft auch Unternehmer aus dem Ausland, deren Firmen im Land stationiert sind. So auch den Österreicher Nils Grolitsch. Gegenüber der "Krone" schildert er die Lage in seinem Werk und erzählt vom tragischen Schicksal einiger Mitarbeiter.
Dem Kärntner gehört das Unternehmen "Eurogold" mit Sitz in der westukrainischen Stadt Zhytomyr. Dort werden Bügeltische, Wäscheständer und Klappleitern hergestellt. Europaweit gelte man sogar als Marktführer. Dennoch macht sich der Krieg im Werk bemerkbar.
Grolitsch berichtet von permanenten Angriffen der Russen mit Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen. Treffen würde dies vor allem die Menschen aus der Zivilbevölkerung. Immer mehr von ihnen verlieren im Krieg ihr Leben. Auch Angestellte des Kärntners kamen zu Tode.
"Mittlerweile sind neun Mitarbeiter im Krieg ums Leben gekommen", so der Unternehmer. Des Weiteren wären auch viele Bekannte von ihm getötet worden, mit denen er viel Zeit verbracht hatte. Selbst in seiner eigenen Familie machen sich die Folgen des Kriegs bemerkbar.
Grolitschs Frau ist gebürtige Ukrainerin, die auch Verwandtschaft in Russland habe. Der Kontakt sei mittlerweile von beiden Seiten aus eingestellt worden, verrät er im Gespräch mit der "Krone".
Seit dem Krieg habe sich die Belegschaft in der Firma des Österreichers verändert. Vor dem hatte Grolitsch, der nach wie vor zwischen der Ukraine und Österreich pendelt, noch 1.200 Angestellte beschäftigt. Nachdem mehrere Männer eingezogen wurden, sind es heute 700. Viele von ihnen seien inzwischen Frauen.
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen würden weiterhin 10.000 Produkte täglich die Firma verlassen. Laut dem Unternehmer wäre viel investiert worden. So sei etwa die Energieversorgung neu aufgestellt. Grolitsch zufolge würde die ukrainische Wirtschaft teilweise sogar wachsen. Daher stelle sich ihm die Frage, "warum es diesen Krieg überhaupt geben musste".
Er geht davon aus, dass rund 30 Prozent der 2.800 Ukrainer, die nun in seiner Heimat in Kärnten leben würden, dort auch bleiben werden. Einige könnten in den Westen oder in die Zentralukraine zurückkehren, wo die Lage besser sei. Der Osten sei ihm zufolge aber "großteils zerstört".
Eine Prognose zu einem Kriegsende wolle Grolitsch nicht abgeben. Der Unternehmer betont, dass die Aussichten auf Frieden bereits einmal besser gewesen seien. Ihm zufolge seien aktuell zu viele Fragen ungeklärt. Als Beispiele nennt er territoriale Fragen und die mögliche EU- oder NATO-Mitgliedschaft der Ukraine.