In Niederösterreich kracht es wegen der geplanten Neuordnung der Notfallversorgung. Mit 1. April 2027 sollen elf der derzeit 32 Notarztstützpunkte nicht mehr in ihrer bisherigen Form weitergeführt werden. Betroffen sind unter anderem Hainburg, Pöggstall und Waidhofen an der Ybbs. An den bisherigen Standorten sollen stattdessen speziell ausgestattete Rettungswagen mit höher qualifizierten Notfallsanitätern eingesetzt werden.
SPÖ-Nationalrat Alois Schroll aus Ybbs läuft gegen die Pläne Sturm. "Das ist kein Reformplan, das ist ein eiskalter Kahlschlag", wettert der Abgeordnete. Für ihn werde die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum "eiskalt zusammengestrichen".
Besonders heftig attackiert Schroll ÖVP und FPÖ. "Was sich die Verantwortlichen hier erlauben, ist ein einziger Skandal", sagt er. Seine größte Sorge: In einem medizinischen Notfall könnten längere Wege wertvolle Zeit kosten. "Wenn jemand in der Nacht einen Herzinfarkt hat oder ein Kind schwer verunglückt, zählt jede Sekunde."
Das Land argumentiert hingegen mit einer neuen Rettungsstruktur. Die wegfallenden NEF-Standorte sollen zu sogenannten RTW-C-Standorten werden. Dort sind Rettungswagen mit besonders ausgebildeten Notfallsanitätern vorgesehen. Mit April 2027 sollen zunächst 26 solcher Standorte zur Verfügung stehen, bis 2030 ist ein Ausbau auf 86 geplant. Die 21 verbleibenden Notarztstützpunkte sollen weitergeführt werden.
Ein wichtiges Detail im politischen Schlagabtausch: Der Gesundheitsplan 2040+ wird nicht nur von ÖVP und FPÖ getragen. Auch die SPÖ sitzt in der niederösterreichischen Landesregierung und hat den grundsätzlichen Gesundheitsplan mitgetragen. Das Land verweist darauf, dass die entsprechende Strukturplanung einstimmig beschlossen wurde.
Wie angespannt die Diskussion über medizinische Versorgung am Wochenende bereits jetzt ist, zeigt ein aktueller Fall aus dem Bezirk Gänserndorf. Nachdem eine Pensionistin an einem Sonntag verstorben war, versuchten Angehörige stundenlang, einen Arzt für die Ausstellung des Totenscheins zu bekommen.
Der Hausarzt war am Wochenende nicht erreichbar. Am Ende kamen Sanitäter und ein Notarzt aus Marchegg oder Hainburg zum Haus und stellten den Tod fest – "Heute" berichtete.
Die Nichte der Verstorbenen appellierte danach eindringlich, die Notarztversorgung in der Region nicht auszudünnen. Gerade Hainburg gehört zu jenen elf Standorten, die ab April 2027 nicht mehr als bisheriger NEF-Stützpunkt weitergeführt werden sollen.
Schroll kündigt jedenfalls Widerstand an. "Die Notarztstützpunkte müssen vollumfänglich erhalten bleiben – ohne Wenn und Aber", fordert der SPÖ-Mandatar.