Hingucker mit High-Tech

Nothing Headphone (1) Pro im Test – Das Sound-Genie

Mit drei Treibern und extra Sound-Schalter wagt Nothing den Sprung in die Oberklasse. Der Test der Headphone (1) Pro zeigt, ob sich das rechnet.
Rene Findenig
29.09.2026, 09:00
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Mit seinem neusten Modell wagt Nothing einen gewaltigen Sprung nach vorne und schickt nach Headphone (1) und Headphone (a) seinen bislang ambitioniertesten Over-Ear-Kopfhörer ins Rennen. Der Headphone (1) Pro hebt sich nicht nur durch die gewohnt extravagante Optik ab, sondern greift auch technisch nach den Sternen. Die Gehäuseschalen sind weiterhin transparent, geben aber diesmal den Blick auf eine völlig überarbeitete Innenausstattung frei. Statt auf die übliche Standardkost setzt die Marke auf ein komplexes Innenleben, das direkt unter krisenfestem Panda Glass ruht. Das kratzfeste Glas schützt die sichtbare Bauteilgruppe, deren Anordnung optisch an das Höhenlinienbild einer topografischen Landkarte erinnert.

In der Hand fühlt sich die Konstruktion extrem hochwertig an. Der Rahmen besteht aus präzise verarbeitetem Aluminium, während bei den hochbelasteten Scharnierteilen matt glänzendes Titan zum Einsatz kommt. Diese veränderte Materialwahl sorgt dafür, dass die beweglichen Bügelarme spürbar an Gewicht eingebüßt haben; der Hersteller spricht hier von einer Einsparung von fast der Hälfte gegenüber dem Vorgängermodell. Auf der Waage bringt der Kopfhörer dennoch 327 Gramm. Das ist wahrlich kein Fliegengewicht, verteilt sich beim Tragen aber überraschend unauffällig. Schon beim ersten Aufsetzen zeigt sich, dass beim Tragekomfort massive Fortschritte erzielt wurden.

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Wo ältere Gehäuse manchmal drückten, schmiegen sich die neu gestalteten Muscheln samtweich an die Kopfseiten an. Die Entwickler haben die Polsterung spürbar verstärkt, das Kissen ist nun etwas mehr als ein Zehntel dicker geraten als bisher. Auch der Kopfbügel hat in der Breite um genau ein Zehntel zugelegt, wodurch der Auflagedruck gleichmäßiger verteilt wird. Die innere Schaumfüllung gibt auf leichten Druck hin extrem nach, sie fühlte sich beim Aufsetzen mindestens doppelt so weich an wie die des normalen Schwestermodells. Eine verborgene Barriere aus flexiblem Silikon im Inneren der Ohrkissen sorgt dafür, dass sich das Kunstleder-Nylon-Gemisch lückenlos um die Ohren legt.

Komfortabler Sitz und phänomenale Abdichtung

Selbst mit Sonnenbrille spüre ich nach mehreren Stunden Dauerbetrieb keinen schmerzhaften Druck an den Bügeln. Der Verstellbereich des Bügels deckt eine Distanz von 132 bis 169 Millimetern ab, während die Aufhängung der Muscheln einen Neigungswinkel von 20 Grad erlaubt. Das reicht völlig aus, um sich unterschiedlichen Kopfformen stufenlos anzupassen. Die Abdichtung zur Außenwelt gelingt dadurch phänomenal. Dank IP52 ist das Innenleben zudem wirksam gegen staubige Umgebungen und leichtes Tropfwasser geschützt, weswegen ein plötzlicher Regenschauer auf dem Heimweg keine Panik auslöst. Das wahre Herzstück verbirgt sich jedoch tief im Inneren der beiden Ohrmuscheln.

Nothing Headphone (1) Pro überzeugt im Test als durchdachtes High-End-Modell, das mit Drei-Treiber-Architektur, Geräuschunterdrückung und Flat-EQ-Schalter Mehrwert für anspruchsvolle Musikfans bietet.
Rene Findenig

Statt wie üblich nur ein Breitband-Chassis zu verbauen, arbeiten auf jeder Seite gleich drei völlig unterschiedlich konstruierte Klangerzeuger. Für das Tieftonfundament zeichnet eine 40-Millimeter-Membran verantwortlich, die Frequenzen von tiefen 20 Hertz bis hinauf zu 10 Kilohertz abdeckt. Diese Bassmembran nutzt ein Sandwich-Material aus PET mit metallisch-keramischer Beschichtung, während der flexible Rand aus zähem PEEK und Polyurethan gefertigt ist. Diese Bauweise sorgt dafür, dass der Tieftöner bei sehr hoher Lautstärke extrem verzerrungsarm arbeitet. Das Magnet System stellt rund 15 Prozent mehr Antriebskraft bereit und glänzt mit einer um mehr als ein Viertel gesteigerten Empfindlichkeit.

Das Klangbild ist extrem aufgeräumt

Ergänzt wird diese Bassgewalt durch einen spezialisierten Präzisions-Treiber für den kritischen Mittenbereich zwischen 5 und 15 Kilohertz. Dessen formstabile PEN-Membran stellt sicher, dass Gesangsstimmen, Sprachlaute und Instrumente unglaublich klar herausgeschält werden. Für das Hochton-Finale ist schließlich ein winziger xMEMS-Treiber zuständig, der Frequenzen von 10 bis rauf zu 40.000 Hertz wiedergibt. Seine flache Siliziummembran punktet mit einer 95-fach höheren Steifigkeit als herkömmlicher Kunststoff bei gleichzeitig verschwindend geringem Eigengewicht. Dadurch reagiert sie blitzschnell auf feinstes Impulsverhalten. In der Praxis macht sich diese dreifache Treiber-Architektur wunderbar bemerkbar.

Im Inneren arbeitet ein System aus drei Treibern, bestehend aus 40-mm-Basstreiber, Präzisionstreiber für die Mitten und xMEMS-Silizium-Hochtöner.
Rene Findenig

Das Klangbild wirkt extrem aufgeräumt, Instrumente lassen sich mühelos im Raum orten, und selbst in dichten Musikpassagen geht kein Detail verloren. Wer die Klangcharakteristik verändern möchte, muss dafür nicht einmal die App öffnen. Am rechten Gehäuse befindet sich ein echtes Highlight: ein mechanischer Schalter für den Flat-EQ-Modus. Dieser Kippschalter entstand in direkter Zusammenarbeit mit den Toningenieuren der legendären Metropolis Studios in London. Legt man diesen Schalter um, schaltet der Kopfhörer sofort vom normalen, dynamisch-angenehmen Balanced-Profil auf ein völlig neutrales und unverfälschtes Klangbild um. Das ist ideal, um Aufnahmen so zu beurteilen, wie sie im Tonstudio eingespielt wurden.

Kopfhörer lockt mit Studio-Funktionen und Preis

Legt man den Hebel wieder zurück, kehrt sofort das zuvor genutzte Wunschprofil zurück. Man muss allerdings beachten, dass im aktiven Flat-EQ-Betrieb Funktionen wie die Geräuschunterdrückung, das Räumlichkeitsmodul oder manuelle App-Equalizer aus Sicherheitsgründen deaktiviert bleiben. Diese Funktion zeigt bereits, für wen Headphone (1) Pro primär gedacht ist: Für Musiker im Studio oder sehr Audiophile. Wer "nur" einen ebenfalls sehr guten Kopfhörer will, kann auch weiter zu Headphone (1) greifen. Das Pro-Modell lockt aber nicht nur mit Studio-Zusatzfunktionen, sondern auch mit einem attraktiven Preis: Das Modell in Schwarz oder Weiß kostet 349 Euro, weit weniger als viele Konkurrenz-Flaggschiffe.

Optisch bleibt das Modell der bekannten transparenten Designsprache treu und setzt unter widerstandsfähigem Panda Glass auf edle Materialien wie Aluminium und Titan.
Rene Findenig

Apropos Preis: Headphone (1) startete bei 299 Euro und kostet mittlerweile 249 Euro, Headphone (a) gibt es um 159 Euro. Weiter zur Software: Wer tief in die Klangabstimmung eintauchen möchte, findet in der offiziellen App fünf spezielle Metropolis-Profile namens Neo-Jazz, British Rock, UK Rap + Grime, Electronica sowie UK Bass. Zudem lässt sich ein Equalizer nutzen, bei dem sich Trennfrequenzen frei über das gesamte Spektrum von 20 Hertz bis 20 Kilohertz verschieben lassen. Auch beim Thema Raumklang zieht Nothing alle Register. Das integrierte Dynamic Spatial Audio nutzt ein dynamisches Head-Tracking, das Bewegungen des Kopfes in Echtzeit erfasst und den Sound entsprechend im virtuellen Raum verankert.

Störgeräusche schluckt der Kopfhörer mühelos

Hier stehen fünf Modi zur Auswahl: Standard für Filme, Studio B für hochpräzises Monitor-Hören, Club für basslastige Partymusik, Concert Hall für klassische Orchesterwerke und Live House für einen druckvollen, leicht halligen Rock-Sound. Besonders gespannt war ich auf die aktive Geräuschunterdrückung, da im Gehäuse zehn Mikrofone verbaut sind. Jeweils drei ergreifen die Außengeräusche, während zwei weitere tief in den Innenmuscheln lauschen. Das adaptive System analysiert ständig die Umgebungslautstärke und schluckt tiefe Störgeräusche wie Motorenbrummen mühelos. Bis zu 46 Dezibel an störendem Lärm werden weggefiltert. Im Alltag reicht ein Druck auf die Bedientaste, um in den Transparenzmodus zu wechseln.

Ergänzt wird das Paket durch ein stabiles Hartschalenetui, das im Vergleich zum Vorgängersoftcase nur noch halb so groß ausfällt und das Gerät unterwegs optimal schützt.
Rene Findenig

Bei der Bedienung verzichtet Nothing glücklicherweise auf fummelige Touch-Gesten und setzt voll auf haptische Elemente. Über einen griffigen Drehregler lässt sich die Lautstärke exakt dosieren. Ein kurzer Druck startet oder pausiert die Musik, während ein langes Gedrückthalten durch die verschiedenen ANC-Stufen schaltet. Ein separater Wipphebel übernimmt das Überspringen von Titeln oder das Annehmen von Telefongesprächen. Zusätzlich gibt es eine frei konfigurierbare Funktionstaste, die wahlweise den Sprachassistenten, den Fernauslöser für die Smartphone-Kamera oder bei gekoppelten Nothing-Phones direkt ChatGPT aufruft. Auch für Telefonate ist der Kopfhörer bestens gerüstet.

Technisch ist das Pro-Modell ganz vorne dabei

Vier Sprachmikrofone filtern Mithilfe eines KI-Algorithmus Störgeräusche von Wind, Straßenlärm oder Gastronomie präzise heraus. Verbindungsprobleme gibt es dank modernem Bluetooth 6.1 keine. Der Kopfhörer lässt sich simultan mit zwei Geräten koppeln und wechselt unterbrechungsfrei zwischen Laptop und Smartphone. Android-Smartphones verbinden sich via Google Fast Pair schnell, für Windows-PCs steht Microsoft Swift Pair bereit und iPhones unterstützen die Hörer natürlich auch. Neben den Standard-Codecs SBC und AAC wird auch der hochauflösende LDAC-Codec unterstützt. Wer eine völlig verlustfreie Kabelverbindung bevorzugt, schließt den Kopfhörer wahlweise über Klinke oder digital per USB-C an.

Ein spezieller Low-Latency-Modus drückt die Signalverzögerung bei Spielen auf unter 120 Millisekunden. Per Kabel im Flat-EQ-Modus sinkt die Verzögerung sogar auf unter 15 Millisekunden. Als zukunftssicher erweist sich die Auracast-Unterstützung. Der Headphone (1) Pro kann Tonsignale nicht nur empfangen, sondern selbst als Mini-Sender agieren und die eigene Musik drahtlos an bis zu zehn weitere kompatible Empfänger in der Umgebung ausstrahlen. In Sachen Ausdauer erweist sich das Gerät als Langstreckenläufer. Der verbaute Akku fasst 1.060 Milliampere Stunden. Ohne Geräuschunterdrückung hält die Zelle bei moderater Lautstärke bis zu 68 Stunden am Stück durch.

Flaggschiff am unteren Ende des Flaggschiff-Preises

Aktiviert man das ANC, sind immer noch sehr gute 30 Stunden Dauerbetrieb möglich. Wer den LDAC-Codec nutzt, kommt auf maximal 53 Stunden ohne beziehungsweise 28 Stunden mit ANC. Und wenn es einmal schnell gehen muss, genügen fünf Minuten an der Steckdose per USB-C, um wieder Energie für bis zu vier Stunden Musikgenuss zu tanken. Eine vollständige Aufladung von null auf hundert Prozent nimmt etwa zwei Stunden in Anspruch. Das mitgelieferte Transportetui hat sich übrigens im Vergleich zum Vorgänger ebenfalls stark verändert. Es besteht nun aus einer festen Hartschale mit weicher TPU-Auskleidung und erinnert sehr entfernt an eine kleine Handtasche.

Mit Außenmaßen von 228,5 x 123 x 53 Millimetern und einem Gewicht von 383,5 Gramm fällt es rund halb so groß aus wie das alte Softcase. Es schützt das teure Gadget im Rucksack perfekt, wer das Softcase hat, kann das Pro-Modell aber auch darin unterbringen. Der Nothing Headphone (1) Pro ist in den Farben Schwarz sowie Weiß zu einem Preis von 349 Euro in Österreich erhältlich. Zum Vertriebsnetz gehören Händler wie MediaMarkt und Amazon. Für diesen Preis erhält man ein außergewöhnlich bestücktes Audiogerät, das vor allem durch seine extrem hochwertige Treiber-Bestückung, die vorbildliche haptische Bedienung und den durchdachten Flat-EQ-Schalter aus der Masse hervorsticht.

rfi,29.09.2026, 09:00