Am heutigen Internationalen Tag des Tigers fällt die Bilanz des WWF zwiespältig aus: Während weltweit nur noch rund 5.500 Tiger in freier Wildbahn leben, gibt es ausgerechnet aus zwei wichtigen Verbreitungsgebieten erfreuliche Nachrichten. Neue Bestandszahlen aus Nepal und China zeigen, dass sich konsequenter Artenschutz auszahlen kann.
Trotz einzelner Erfolge gehört der Tiger weiterhin zu den am stärksten bedrohten Großkatzen der Erde. Wilderei, der illegale Handel mit Körperteilen, die Zerstörung und Zerschneidung der Lebensräume sowie Konflikte mit Menschen setzen den Raubkatzen massiv zu.
„Tiger sind weltweit stark bedroht – die letzten wild lebenden Tiere drohen aufgrund von Naturzerstörung und Wilderei komplett zu verschwinden.“Georg ScattolinWWF-Artenschutzexperte
Um das zu verhindern, braucht es internationale Zusammenarbeit – sowohl beim Schutz der Lebensräume als auch im Kampf gegen die organisierte Wildtierkriminalität.
Besonders besorgniserregend ist laut WWF, dass sich der illegale Handel immer stärker ins Internet verlagert. Zudem bereiten sogenannte Tigerfarmen den Artenschützern große Sorgen. Dort werden Tiere gezüchtet, wodurch der Handel mit Körperteilen zusätzlich angekurbelt werden könnte. Auch Europa sei nicht außen vor: Immer wieder würden im EU-Binnenmarkt Produkte aus geschützten Tierarten angeboten – darunter auch Präparate von Tigern.
Es gibt aber auch Grund zur Hoffnung. Nepal gilt mittlerweile als weltweites Vorzeigeland im Tigerschutz. Laut der heute veröffentlichten Zählung leben dort inzwischen 400 wilde Tiger. Zum Vergleich: 2009 waren es lediglich 121 Tiere, 2022 bereits 355.
Trotz der positiven Entwicklungen bleibt die Lage ernst. Weltweit gibt es nur noch rund 5.500 freilebende Tiger – ein Bruchteil ihres ursprünglichen Bestands. Der WWF fordert daher verstärkte internationale Maßnahmen gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel. Denn nur wenn Lebensräume dauerhaft geschützt und Verbrechen konsequent verfolgt werden, haben die letzten wilden Tiger eine Zukunft.
Möglich wurde dieser Erfolg durch streng geschützte Lebensräume, konsequente Anti-Wilderei-Maßnahmen und die enge Zusammenarbeit von Behörden, lokalen Gemeinden und Naturschutzorganisationen.
„Die Entwicklung in Nepal zeigt, dass sich Investitionen in den Artenschutz auszahlen und eine Trendumkehr möglich ist“
Erfreuliche Zahlen kommen auch aus dem Nordosten Chinas. Im dortigen Tiger- und Leoparden-Nationalpark wurden nun 72 wild lebende Amur-Tiger gezählt – zwei mehr als bei der letzten Erhebung 2024. Gemeinsam mit den benachbarten Schutzgebieten in Russland umfasst die grenzüberschreitende Population inzwischen mindestens 147 Amur-Tiger.
Zusätzliche Lichtblicke liefern aktuelle Aufnahmen einer Tigerin mit fünf Jungtieren in China, die dokumentierte Wanderung eines Tigers in Thailand sowie ein neuer Aktionsplan zur Wiederherstellung von Tiger-Lebensräumen in Laos.