Mitten in der Wiener Donaustadt ist Naturfotograf Alexander Laengauer eine außergewöhnliche Begegnung gelungen: Vor seine Kamera trat eine schneeweiße Hirschkuh – ein Anblick, den selbst erfahrene Wildtierbeobachter nur äußerst selten erleben. Verantwortlich für die auffällige Fellfarbe ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein hübscher Gendefekt namens Leuzismus.
Auf den ersten Blick könnte man das Tier für einen Albino halten. Tatsächlich handelt es sich bei weißen Hirschen jedoch häufig um Leuzisten. Dabei verhindert ein seltener Gendefekt, dass Pigmentzellen das Fell vollständig einfärben. Das Ergebnis ist ein weißes oder cremefarbenes Haarkleid.
Der entscheidende Unterschied zum Albinismus: Leuzistische Tiere besitzen normale, meist dunkle Augen sowie eine normal gefärbte Nase und Hufe. Albinos hingegen fehlt das Pigment Melanin vollständig – dadurch wirken ihre Augen rötlich oder rosafarben.
Leuzismus tritt bei zahlreichen Tierarten auf – etwa bei Rehen, Hirschen, Vögeln oder sogar Schlangen. In freier Wildbahn sind solche Tiere jedoch ausgesprochen selten. Wie häufig die genetische Veränderung vorkommt, lässt sich nicht genau beziffern, sie gilt jedoch als außergewöhnliches Naturphänomen. Für die betroffenen Tiere bringt die helle Fellfarbe nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Nachteile. Sie sind deutlich auffälliger und können von Fressfeinden oder – je nach Region – auch von Menschen leichter entdeckt werden.
Alexander Laengauer ist ein österreichischer Naturfotograf und Gründer von 3anger Photography. Sein Schwerpunkt liegt auf der heimischen Tier- und Naturfotografie.
Mit viel Geduld, Respekt vor den Wildtieren und einem besonderen Blick für außergewöhnliche Naturmomente hält er seltene Begegnungen in Österreich fest. Seine Aufnahmen entstehen ausschließlich in der freien Natur – ohne die Tiere zu stören – und zeigen die heimische Tierwelt in ihrem natürlichen Lebensraum
Dass Alexander Laengauer die weiße Hirschkuh überhaupt fotografieren konnte, ist daher ein besonderer Glücksfall. Wildtiere mit Leuzismus sind oft sehr scheu und tauchen vorwiegend nur kurz aus der Deckung auf. Naturfotografen verbringen häufig viele Stunden oder sogar Tage im Revier, um einen solchen Moment festzuhalten. Umso größer ist die Freude, wenn sich ein derart seltenes Motiv vor die Linse wagt.
Für Wildtierexperten steht fest: Die schneeweiße Hirschkuh ist weit mehr als eine fotografische Sensation. Sie erinnert daran, wie vielfältig die Natur ist – und dass selbst seltenste genetische Besonderheiten ihren Platz in unseren heimischen Wäldern haben.