Auf Social Media wird Natron gerade zum vermeintlichen Superhelden der Küche. Äpfel, Gurken und Erdbeeren mit Natron gewaschen oder gar im Natronbad eingelegt. Die Hoffnung: Das Hausmittel soll Pestizidrückstände besser entfernen als normales Leitungswasser.
Ganz aus der Luft gegriffen ist der Trend nicht. Nur: Was das Natron tatsächlich leisten kann, ist deutlich weniger spektakulär, als viele Videos im Netz versprechen.
Natron – chemisch Natriumhydrogencarbonat – ist ein altbekanntes Hausmittel und Backtriebmittel. In Wasser gelöst entsteht eine leicht alkalische Lösung mit einem pH-Wert von etwa 8 bis 8,5.
Genau dieses leicht basische Milieu ist der Grund, warum Natron bei bestimmten Pestiziden mehr bewirken kann als Wasser allein. Einige Wirkstoffe können unter alkalischen Bedingungen leichter abgebaut werden. Das klingt nach einem klaren Vorteil. Doch der entscheidende Haken steckt im Detail.
In einer Studie der University of Massachusetts Amherst, veröffentlicht im "Journal of Agricultural and Food Chemistry", untersuchten Forscher die Wirksamkeit unterschiedlicher Waschmethoden bei der Entfernung von Pestizidrückständen auf Äpfeln. Dabei wurde das Obst unter anderem rund 12 bis 15 Minuten in einer Natronlösung gelegt.
Das Ergebnis: Die Rückstände der beiden untersuchten Pestizide Thiabendazol und Phosmet konnten stärker reduziert werden als durch das Waschen mit reinem Wasser. Der Grund dürfte unter anderem darin liegen, dass Natron nicht nur oberflächlich abspült. Das alkalische Milieu kann bei bestimmten Pestiziden zusätzlich deren Abbau begünstigen.
Wer jetzt glaubt, ein Natronbad mache Obst und Gemüse praktisch pestizidfrei, sollte allerdings einen Gang zurückschalten. Denn sogenannte systemische Pestizide können in das Innere der Pflanze gelangen. Was bereits tief im Fruchtfleisch steckt, lässt sich durch Waschen kaum entfernen – weder mit Wasser noch mit Natron.