"Chicken-Wrap zerdrückt"

ÖFB-Tormann in Rumänien von Essenslieferant bedroht

Ried-Kapitän Andreas Leitner erzählt im Podcast "Play 2 Grow" von einem brenzligen Erlebnis als Rumänien-Legionär. Heute kann er darüber lachen.
16.10.2026, 09:48
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Andreas Leitner erlebt als Kapitän der SV Ried erfolgreiche Zeiten. Der Keeper stieg 2025 mit den Innviertlerin in die Bundesliga auf, liegt aktuell auf Rang sechs.

Aber: Der Steirer kennt auch die Schattenseiten des Fußballs. 2022 verpasste der 32-Jährige mit der Admira den Klassenerhalt, verließ die Südstädter nach 226 Pflichtspielen. Nach einer kurzen vereinslosen Zeit heuerte der ÖFB-Tormann, der alle Nachwuchs-Nationalteams durchlief, in Rumänien bei Petrolul Ploiesti an.

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Sportlich lief es jedoch nicht nach Wunsch. Leitner bestritt insgesamt 15 Partien, fing sich dabei 25 Gegentreffer ein. Der Klub rutschte in der Tabelle ab. Zum Ärger der Fans. Das bekam auch der Legionär zu spüren, wie er im Podcast "Play 2 Grow" von Stefan Schwab und Richard Windbichler berichtet.

"In der Stadt Ploiesti ist es extrem grau, es steht ein Betonbunker neben dem anderen. Es spielt sich nicht viel ab – außer beim Fußball. Jeder ist Anhänger vom Verein. Nach schlechten Ergebnissen ist es schon angespannt", erzählt Leitner – und gibt eine besondere Episode zum Besten.

"Ich habe mir im Winter mal beim Lieferservice einen Chicken-Wrap bestellt. Der Essenslieferant kommt die Stiegen rauf, hat eine Vereinsmütze am Kopf. Ich denke mir schon, hoffentlich erkennt er mich nicht. Auf einmal fängt er an, mich auf Englisch und Rumänisch zu beschimpfen. Ich sage, es tut mir leid, ich verstehe nichts. Dann hat er meinen Chicken-Wrap genommen, mit beiden Händen zerdrückt und mir gegeben. Ich habe ihn dann mit Messer und Gabel essen müssen."

Noch schlimmer erwischte es Leitners Nachbar Gabriel Tamas. "Er ist eine rumänische Legende, hat auch im Nationalteam gespielt. Er hatte eine Karriere in England und der Türkei", erzählt der Ried-Schlussmann. "Er konnte tun und lassen, was er will, hat aber öfter ziemlich tief ins Glas geschaut. Nach einem Match war er unterwegs und hat dann im stark angetrunkenen Zustand den Präsidenten angerufen, hat den aufs Übelste beschimpft, hat auf die Fans draufgehaut. Der Präsident hat das Telefonat aufgezeichnet und es der Presse und den Fans weitergeleitet."

Das hatte freilich Folgen. "Ein paar Tage später liege ich am Abend auf der Couch, auf einmal wird es draußen hell", schildert Leitner. "Ich schaue aus dem Fenster, sehe, dass Bengalos gezündet werden, circa 100 Leute fangen zum Schreien an. Ich habe gerade mit Papa telefoniert und sage: 'Papa, ich glaub jetzt holen sie mich.' Es hat sich aber herausgestellt, dass sie zu Tamas in die Wohnung wollten. Der Präsident hat dann noch irgendwie geregelt, dass sie mit Polizei wieder abmarschieren. Da ist mir aber auch warm geworden. Wenn es nicht läuft, ist es mit den Kollegen da unten sicher nicht lustig. Bei Erfolgen dafür umso mehr."

Generell sind die Sitten in Rumänien anders, meint der Routinier. "Fantechnisch herrscht am Spieltag Anarchie. Es gibt keine Netze hinter den Toren. Es gibt Bengalos, Böller – das ist schon eine andere Liga als bei uns. Dort geht es noch hitziger zu. Spielunterbrechungen bei Pyrotechnik sind kaum vorhanden. Es ist alles noch extremer und intensiver."

red, 16.10.2026, 09:48