Die Lage am Energiemarkt spitzt sich weiter zu. Wegen der faktischen Sperre der Straße von Hormus aufgrund des Iran-Kriegs drohen Europa bereits in den kommenden Wochen noch größere Probleme bei der Versorgung mit Ölprodukten.
Einmal mehr schlägt deshalb IEA-Chef Fatih Birol Alarm. In einem Podcast mit dem Chef des norwegischen Staatsfonds, Nicolai Tangen, sagte er, der Ölverlust im April werde doppelt so hoch ausfallen wie noch im März. Besonders kritisch sei die Lage bei Diesel und Kerosin. Dazu komme der Ausfall von Flüssigerdgas. "Wir sehen das in Asien. Aber ich denke, im April oder Mai wird dies auch Europa erreichen", befürchtet Birol.
Die Internationale Energieagentur schließt deshalb auch eine weitere Freigabe von Ölreserven nicht aus. "Wenn wir der Meinung sind, dass ein Bedarf an Rohöl oder Produkten besteht, können wir eingreifen", so Birol. Schon am 11. März hatten die Mitgliedsstaaten der IEA wegen der Folgen des Kriegs im Nahen Osten die Freigabe von 426 Millionen Barrel Öl beschlossen.

Laut Birol wurden durch den Krieg bisher rund 40 wichtige Energieanlagen beschädigt. Besonders schwer wiegt die Blockade der Straße von Hormus. Über die Meerenge lief vor Beginn der Angriffe durch USA und Israel rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs. Das sorgt jetzt für Knappheit – und für stark steigende Preise auf dem Weltmarkt.
Parallel wächst die Sorge in Brüssel. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte am Dienstag nach einer Videokonferenz der Energieminister, dass man bereits Engpässe in einzelnen Produktmärkten beobachte – vor allem bei Diesel und Kerosin.
Die Folgen treffen allerdings längst nicht mehr nur die Industrie. Auch der Flugverkehr gerät zunehmend unter Druck. Ryanair-Chef Michael O'Leary warnte zuletzt vor Problemen bei der Kerosinversorgung in Europa ab Mai, falls der Konflikt weiter andauert.
Im Mai und Juni könnten laut O'Leary bis zu 25 Prozent der Lieferungen für die irische Billig-Fluglinie gefährdet sein. Noch habe die Airline keine Flüge gestrichen, weil die Versorgung derzeit gesichert sei. Für Reisende dürfte es dennoch unangenehm werden: O'Leary rechnet mit deutlich höheren Ticketpreisen im April, Mai und Juni.