Die Ausgangslage scheint eigentlich eindeutig: Mikaela Shiffrin gewann sieben der bisherigen acht Weltcup-Slaloms dieser Saison und reist als klare Favoritin zum Olympia-Slalom nach Cortina. Mit 108 Weltcupsiegen ist sie zudem die erfolgreichste Ski-alpin-Fahrerin der Geschichte.
Doch bei Olympischen Spielen verlief es für die US-Amerikanerin zuletzt nicht nach Plan. Nach drei Medaillen 2014 und 2018 reiste sie 2022 als Top-Favoritin nach Peking – und blieb ohne Edelmetall. Auch in Cortina lief es bislang nicht rund. In der Team-Kombination brachte Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson das US-Duo zunächst in Führung. Im Slalom blieb Shiffrin jedoch deutlich unter ihren Möglichkeiten, fuhr nur die 15. Laufzeit – am Ende resultierte Rang vier. Auch im Riesenslalom spielte sie mit Platz elf keine Rolle im Kampf um die Medaillen.
Die Konkurrenz registriert das aufmerksam. Vor allem die ÖSV-Damen, nach Kombi-Gold durch Ariane Rädler und Katharina Huber sowie Super-G-Bronze von Cornelia Hütter im Aufwind, wittern ihre Chance. "Ich glaube schon, dass wir wissen, dass wir sie schlagen können. Natürlich hat sie nicht die besten Erinnerungen an Olympische Spiele, das hat man in Peking gesehen, dass es sie mental beschäftigt. Auch in der Kombi hat es nicht ganz geklappt, von daher ist sie sicher schlagbar", sagt Katharina Gallhuber.
Huber selbst mahnt jedoch zur Vorsicht: "Wenn man sieben von acht Slaloms in der Saison gewinnt, ist man sicher die Favoritin." Gleichzeitig verweist sie auf die Unberechenbarkeit von Großereignissen: "Sie war auch im Kombi-Slalom die eindeutige Favoritin und es hat nicht geklappt. Olympia hat da ein bisschen eigene Gesetze. Ich bin gespannt, wie sie es anlegen wird."
Ein möglicher Faktor könnte erneut die Kurssetzung sein. Wie schon im Kombi-Slalom, bei dem Mikaela Shiffrin mit dem Kurs unzufrieden war, stammt dieser von einem ÖSV-Trainer. Klaus Mayrhofer soll sich eine spezielle Kombination ausgedacht haben. Intern wird scherzhaft von einer „Sudoku”-Variante gesprochen.
Huber, die bei ihrem Gold-Lauf logischerweise stark davon profitierte, sieht darin einen Vorteil. "Ich denke, dass es für uns gut ist, weil wir nicht überlegen müssen, wie die Kombination genau funktioniert." Spätestens am Mittwoch wird sich zeigen, ob Shiffrin den Olympia-Druck abschütteln kann – oder ob die Konkurrenz ihre Chance nutzt.