"Nur Tage vom Tod entfernt"

Olympia-Star plötzlich 22 Stunden pro Tag im Bett

Beth Dobbin sprintete bei Olympia um Medaillen, heute kann sie kaum noch aufstehen. Eine schwere chronische Krankheit hat ihr Leben verändert.
20.10.2026, 05:40
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Beth Dobbin gehörte vor fünf Jahren zu den schnellsten Frauen der Welt.

Bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio lief die britische Sprinterin über 200 Meter in das Halbfinale. Heute ist an Spitzensport nicht mehr zu denken. Die 32-Jährige verbringt rund 22 Stunden täglich im Bett, kann ihr Haus kaum noch verlassen. Der Grund ist eine schwere chronische Erkrankung, die ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt hat.

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"Die Krankheit hat mein Leben zerstört, ich kann es kaum in Worte fassen", erzählt Dobbin in einem emotionalen Interview mit der BBC. "Ich habe das Gefühl, alles verloren zu haben."

Nach Corona begann der Albtraum

Nur wenige Monate nach ihrem Olympia-Auftritt infizierte sich Dobbin mit dem Coronavirus, später erkrankte sie auch am Pfeifferschen Drüsenfieber. Zunächst schienen die Infektionen harmlos zu verlaufen. Die Sprinterin trainierte weiter, obwohl sie zunehmend müde wurde und immer mehr Schlaf benötigte.

Doch ihr Zustand verschlechterte sich dramatisch. "Ich hatte Schwierigkeiten aufzustehen, habe sehr viel geschlafen und lag die ganze Zeit im Bett", erinnert sich die Britin.

Nach zahlreichen Untersuchungen bei Spezialisten erhielt sie schließlich die Diagnose Myalgische Enzephalomyelitis, kurz ME. Die schwere chronische Erkrankung wird häufig auch als ME/CFS bezeichnet und kann nach Infektionen auftreten.

"Als wäre man nur noch Tage vom Tod entfernt"

Die Krankheit geht weit über gewöhnliche Erschöpfung hinaus. Schon geringste körperliche oder geistige Anstrengungen können zu einer massiven Verschlechterung der Symptome führen. Selbst Gespräche oder grelles Licht können einen sogenannten Crash auslösen, der im schlimmsten Fall monatelang anhält.

Dobbin beschreibt das Gefühl, als "würde der Körper herunterfahren, als wäre man nur noch wenige Tage vom Tod entfernt".

Die Auswirkungen auf ihren Alltag sind verheerend. In diesem Jahr konnte die ehemalige Spitzensportlerin ihr Haus gerade einmal fünfmal verlassen. Selbst einfache Tätigkeiten wie Essen oder der Gang auf die Toilette kosten sie enorme Kraft.

"Ich habe meine Unabhängigkeit verloren, meine Gesundheit und die Möglichkeit, zu arbeiten oder Sport zu treiben", sagt die 32-Jährige.

Besonders bitter: Früher trainierte Dobbin bis zu fünf Stunden täglich. Heute ist schon das Aufstehen eine gewaltige Herausforderung.

Auch für ihre Familie ist die Situation kaum zu ertragen. Besonders ihr Vater Jim leidet darunter, seiner Tochter nicht helfen zu können. "Ich will ihr so verzweifelt helfen, aber ich kann nicht, weil es nichts gibt", erzählt er. "Ich würde sie überallhin bringen, notfalls nach Amerika. Aber es gibt nichts."

Eine heilende Behandlung für ME/CFS ist derzeit nicht bekannt. Die medizinische Forschung beschäftigt sich seit der Corona-Pandemie allerdings verstärkt mit der Erkrankung.

Für Dobbin ist das zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Trotz ihres schweren Gesundheitszustands hat sich die ehemalige Sprinterin bewusst für das Interview entschieden. Sie möchte auf das Schicksal von Menschen mit ME/CFS aufmerksam machen, auch wenn die Anstrengung des Gesprächs ihre Beschwerden verschlimmern könnte.

"Viele Betroffene haben mir gesagt: 'Man glaubt mir nicht, die Leute halten mich für faul'", berichtet Dobbin.

Als ehemalige Olympiateilnehmerin werde ihr eher geglaubt. Diese Bekanntheit möchte sie nun nutzen, um anderen Betroffenen eine Stimme zu geben.

red, Akt. 20.10.2026, 08:44, 20.10.2026, 05:40
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