Die Hitze in Südeuropa macht auch nach Sonnenuntergang kaum noch Pause. Während viele Menschen darauf hoffen, dass wenigstens die Nacht etwas Abkühlung bringt, zeigen aktuelle Wettermodelle genau das Gegenteil. Von Spanien über Italien bis nach Griechenland sollen die Temperaturen in den Nächten großflächig nur noch auf 28 bis 30 Grad "sinken". Meteorologe Manuel Oberhuber spricht deshalb von einer außergewöhnlichen Wetterlage und verweist auf Daten des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF).
Schon der Beginn seines X-Beitrags lässt aufhorchen. "Heute gab es in Teilen Kalabriens Tiefsttemperaturen (!) von 34°. Und so schaut es in der kommenden Nacht aus: Von Spanien bis Griechenland flächig 28 bis 30°. Kaum auszuhalten", schrieb er Dienstag. Gemeint sind die niedrigsten Temperaturen einer Nacht.
Während in Mitteleuropa bereits eine Tiefsttemperatur von mindestens 20 Grad als Tropennacht gilt, bewegen sich die vorhergesagten Werte rund um das Mittelmeer in einer völlig anderen Größenordnung. Selbst tief in der Nacht könnte es dort vielerorts noch fast so warm sein wie an einem durchschnittlichen Sommertag in Österreich.
Für viele Menschen ist genau das die größte Belastung. Tagsüber lässt sich Hitze oft durch Schatten oder klimatisierte Räume etwas erträglicher machen. Bleiben die Temperaturen aber auch nachts extrem hoch, kann sich der Körper kaum noch erholen. Schlaf wird schwieriger, Wohnungen kühlen kaum aus und die Belastung für ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen steigt deutlich.
Noch bemerkenswerter ist jedoch die zweite Grafik, die Oberhuber veröffentlicht hat. Sie zeigt den sogenannten Extreme Forecast Index, kurz EFI, des ECMWF. Dieses Werkzeug wird von Meteorologen genutzt, um vorherzusagen, wie außergewöhnlich eine Wetterlage im Vergleich zu den üblichen Bedingungen für eine Region und Jahreszeit ist. Dazu schreibt Oberhuber: "Und ja, das ist sehr ungewöhnlich. Besser gesagt extrem, wie der extreme forecast index vom ECMWF zeigt. Alles in rot ist für das jeweilige Gebiet und für diese Jahreszeit entweder sehr selten oder sogar beispiellos."
Auf der Karte sind weite Teile Südeuropas tiefrot eingefärbt. Das bedeutet nicht automatisch, dass überall neue Temperaturrekorde fallen werden. Es zeigt vielmehr, dass die Wettermodelle Temperaturen erwarten, die für Ende Juli statistisch äußerst ungewöhnlich sind. Je näher der EFI-Wert an 1,0 liegt, desto seltener tritt eine solche Wetterlage normalerweise auf. Genau solche hohen Werte werden derzeit für große Teile Spaniens, Italiens, des Balkans und Griechenlands berechnet.
Besonders betroffen scheint der zentrale und östliche Mittelmeerraum zu sein. Dort könnten die Nächte vielerorts kaum noch unter 30 Grad fallen. Solche Bedingungen erinnern eher an Wüstenregionen als an das typische Mittelmeerklima und gelten selbst in diesen Ländern als außergewöhnlich.
Die Prognosen bedeuten allerdings nicht, dass jede Region zwangsläufig neue Hitzerekorde erleben wird. Wettermodelle liefern Wahrscheinlichkeiten und werden laufend aktualisiert. Zudem beschreibt der Extreme Forecast Index nicht die absolute Temperatur, sondern wie ungewöhnlich die berechnete Wetterlage im Vergleich zu den langjährigen Verhältnissen ist.
Dennoch beobachten Meteorologen die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Solch großflächige Bereiche mit extrem hohen EFI-Werten treten vergleichsweise selten auf und deuten auf eine außergewöhnliche Hitzewelle hin. Dass die Hitze inzwischen nicht mehr nur die Nachmittage, sondern auch die Nächte erfasst, gilt als besonders problematisch. Ohne ausreichende nächtliche Abkühlung steigt die Belastung für Mensch und Natur deutlich.
Auch wenn Österreich auf den aktuellen Karten nicht im Zentrum der extremsten Hitze liegt, können sich Wetterlagen im Mittelmeerraum auf das Wetter in Mitteleuropa auswirken. Wie stark das geschieht, hängt allerdings von der weiteren Entwicklung der Luftströmungen ab und lässt sich derzeit noch nicht sicher vorhersagen.
Fest steht jedoch: Die aktuellen Modellkarten zeigen eine Wetterlage, die selbst erfahrene Meteorologen aufmerksam werden lässt. Nicht allein die hohen Tageswerte, sondern vor allem die außergewöhnlich warmen Nächte und die Einstufung durch den Extreme Forecast Index machen deutlich, dass Südeuropa vor einer Phase außergewöhnlicher Hitze stehen könnte. Für Millionen Menschen bedeutet das vor allem eines: Selbst nach Sonnenuntergang dürfte die ersehnte Abkühlung vielerorts ausbleiben.