2022 beschimpfte Kremlchef Wladimir Putin die ukrainische Führung noch als "Bande von Narkomanen und Neonazis". Vier Jahre später klingt der Ton deutlich anders: Am 9. Mai 2026 sprach Putin plötzlich von "Herrn Selenskyj". Ein bemerkenswerter Wandel – steckt dahinter echte Gesprächsbereitschaft oder der Druck an der Front?
Der Krieg in der Ukraine sei "nach wie vor eine ernste Angelegenheit", so Putin am Samstag. Dennoch erklärte er, dass sich der Konflikt einem Ende zuneige. Die Zeit wäre längst reif: Der Krieg dauert mittlerweile seit mehr als vier Jahren an und ist der blutigste in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Im Gespräch mit dem Ö1-Morgenjournal am Montag ordnete ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz die Lage ein. Putins Aussagen zum Kriegsende würden vor allem in der ukrainischen Bevölkerung nicht ernst genommen werden. "Alles, was der russische Präsident sagt, wird nicht geglaubt", so Wehrschütz.
Unklar sei laut dem Experten auch, inwiefern sich der Krieg dem Ende zuneige: "Wird die Frontlinie eingefroren? An wen hat sich die Botschaft gerichtet? Es sind noch viele Fragen offen."
Auf die Frage, wie er die Stärke Russlands in der Ukraine aktuell bewerte, entgegnete Wehrschütz: "Deutlich ist, dass Russland in diesem fünften Kriegsjahr enorme Probleme hat – an der Front und im Hinterland." So füge die Ukraine den Russen durch eine massive Entwicklung von Drohnen hohe Verluste zu. Es habe Tage gegeben, an denen russische Truppen keinen Meter vorangekommen seien, erzählte der ORF-Reporter.
Problematisch seien zudem Angriffe auf das russische Hinterland – auf die Ölinfrastruktur oder die Energieversorgung. Auch der Fakt, dass Russland bei der Militärparade am 9. Mai aus Angst vor ukrainischen Angriffen auf schweres Gerät verzichtet hat, zeige laut Wehrschütz die Verwundbarkeit Moskaus.