ORF-Wettermann Wadsak veröffentlicht "Klimamanifest"

ORF-Wettermann Marcus Wadsak hat mit Aktivistin Paula Dorten "Das Klimamanifest" geschrieben.
ORF-Wettermann Marcus Wadsak hat mit Aktivistin Paula Dorten "Das Klimamanifest" geschrieben.ORF/Martin Krachler
Marcus Wadsak hat mit Klimaaktivistin Paula Dorten ein Buch geschrieben. "Letzte Generation. Das Klimamanifest" will Jung und Alt ansprechen.

Ein trockener und heißer März, gefolgt von einem nassen kühlen Start in den April – Aprilwetter oder Klimawandel? "Einzelne Wetterereignisse machen noch keinen Klimawandel", sagt Marcus Wadsak im Gespräch mit der Tageszeitung "Heute". "Wir werden nass, frieren oder schwitzen, was wir hier spüren ist das Wetter, das Klima spüren wir so nicht. Klimaveränderungen lassen sich nur über einen längeren Zeitraum messen", erklärt der Leiter der ORF-Wetterredaktion.

Und das Klima verändert sich. Genau deshalb macht sich Marcus Wadsak auch große Sorgen. Er hat mit der 16-jährigen Fridays for Future-Aktivistin Paula Dorten ein "Klimamanifest" veröffentlicht.

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Der Blick in die Aufzeichnungen macht sicher, wir sind mitten drin in der Klimakrise: "Wir erleben Dinge, die es noch nie gab. Wir haben die acht wärmsten Jahre der Welt erlebt. 2013 haben wir in Österreich 40,5 Grad gemessen. Wir hatten seither so viele Hitzetage wie noch nie. Auch so viele Hitzetote wie noch nie", sagt Wadsak.

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Letzte Chance, rechtzeitig zu handeln

Dennoch scheint den Menschen die Dramatik der Lage viel zu langsam bewusst zu werden - eine Zeit, die man nicht mehr hat. Vor zwei Jahren hat der Meteorologe sein erstes Buch darüber veröffentlicht - "Klimawandel: Fakten gegen Fake & Fiction". Passiert ist seither viel zu wenig: kleine Schritte statt radikaler Kurswechsel.

Jüngst verkündete die Grüne Umweltministerin sogar eine deutliche Erhöhung der Pendlerpauschale anstatt den hohen Benzinpreis als Rückenwind für dringend notwendige verkehrspolitische Maßnahmen zu nutzen. "Es gibt eben noch immer große Interessensgruppen, die sich dagegenstemmen", sagt Wadsak.

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Dabei besteht gerade noch die Chance, rechtzeitig zu handeln. Wer ist denn nun die "letzte Generation"? "Gemeint ist die letzte Generation, die noch was ändern kann. Jeder soll sich hier angesprochen fühlen", sagt Wadsak. "Denn wir brauchen alle im Klimaschutz!"

Zwei Generationen, eine Stimme, ein Ziel

Die Fridays for Future-Aktivistin Paula Dorten liefert die Wut und die Emotionen zu den gesicherten wissenschaftlichen Fakten, die Wadsak im Buch thematisiert, von Dekarbonisierung über die Abholzung der Wälder bis zur Ernährungsumstellung und Mobilität.

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"Es sind zwei Generationen, eine Stimme, ein Inhalt, ein Ziel. Die jungen Klimaaktivisten faszinieren mich, die sind wirklich lästig! Die lassen sich nicht so leicht abwimmeln. Die Energie, die Sprache und der Mut von Paula Dorten haben auch mir sehr gut getan. Ihre Beiträge sind ein wesentlicher Teil des Buches", sagt der Meteorologe, der 2017 die NGO "Climate without Borders" mitbegründet hat, in der über 140 Wettermoderatoren aus 110 Ländern zusammenarbeiten.

Marcus Wadsak im Interview mit der Tageszeitung "Heute“ in der Redaktion im 1. Bezirk.
Marcus Wadsak im Interview mit der Tageszeitung "Heute“ in der Redaktion im 1. Bezirk.Sabine Hertel / Tageszeitung "Heute"

"Ich besitze kein Auto, aber ein Klimaticket"

Sehr deutlich werden beide Autoren im Kapitel Mobilität. Dorten beschreibt tagebuchartig und in allen Etappen ihren Kampf gegen Lobautunnel und Stadtstraße ("Wir wurden angeklagt, angezündet und schließlich geräumt."), Wadsak macht klar, dass es nicht um bloßen Ersatz von Verbrennungsmotoren geht, sondern es eine Mobilitätswende brauche, die auch Probleme wie Flächen- und Ressourcenverbrauch, Bodenversiegelung und überhitzte Städte löse.

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Der ORF-Moderator wohnt am Neusiedlersee, wie pendelt er zu seinem Arbeitsplatz? "Ich besitze kein Auto, aber ein Klimaticket. Zum ORF fahre ich nur öffentlich", versichert er. Auch zu den über 30 Klimawandel-Vorträgen, die er alleine im vergangenen Jahr gehalten hat, sei er fast immer öffentlich angereist. "Ich glaube, ich hab mir ein einziges Mal ein Auto ausgeborgt, weil die Verbindung so schlecht war - und das war von Neusiedl nach Güssing."

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"Verzweifle mehrmals täglich"

Gerade auch vor dem Hintergrund des aktuellen IPCC-Berichtes, ist denn der Autor hier nicht am Verzweifeln, dass so wenig weiter geht im Klimaschutz? "Ich verzweifle mehrmals täglich, weil wir alle uns nicht energisch genug für Klimaschutz einsetzen", gesteht Wadsak.

Was hält ihn im Kampf für mehr Klimaschutz aufrecht? Marcus Wadsak: "Was mir Kraft gibt, sind die vielen Menschen, die sich für Klimaschutz einsetzen, die zeigen wie es geht. Und wir sind viele."

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Aber was, wenn Klimaschutz scheitert? "Wir müssen es schaffen", sagt Wadsak, "denn wenn nicht, dann wird die Klimakrise zum Selbstläufer. Wenn wir nichts ändern, dann wird die Klimakrise zur Klimakatastrophe!"

Marcus Wadsak und Paula Dorten: "Letzte Generation. Das Klimamanifest", Braumüller Verlag, 96 Seiten, 15 Euro

Buchpräsentation: 5. April, 19 Uhr, Buchhandlung Morawa, Wien 1, Wollzeile 11

Ein Euro pro verkauftem Exemplar geht an "Fridays for Future".

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