Empfindliche Ameisen

"Du stinkst" – wer anders riecht, wird abgestoßen

Ozon in der Luft stört die chemische Kommunikation von Ameisen, führt zu Aggressionen in Kolonien und beeinträchtigt die Brutpflege.
Heute Tierisch
03.02.2026, 22:14
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Ameisen merken sich gleich nach dem Schlüpfen den ganz eigenen Duft ihrer Kolonie. Wenn sie später auf andere Ameisen treffen, vergleichen sie den fremden Geruch mit dem vertrauten Duft aus dem eigenen Bau. Passt der Geruch, werden die anderen Ameisen freundlich behandelt. Ist der Duft aber anders, reagieren sie meist aggressiv.

Ein Forschungsteam rund um Markus Knaden vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena hat jetzt bei fünf verschiedenen Ameisenarten gezeigt, dass Ameisen nach Kontakt mit Ozon von ihren eigenen Nestgenossinnen nicht mehr erkannt werden. Stattdessen wurden sie angegriffen. Dies liegt an bestimmten organischen Verbindungen, den sogenannten Alkenen, die einen kleinen, aber wichtigen Teil des Ameisendufts ausmachen. Ozon reagiert gezielt mit diesen Stoffen und zerstört sie, wie die Forscher im Fachmagazin "PNAS" berichten.

ATTACKE!

Für die Versuche wurden Ameisen Ozonwerten ausgesetzt, wie sie im Sommer in belasteten Gebieten vorkommen. Danach brachte man die Tiere zurück in ihre Kolonie. Die Folge: Bei fünf untersuchten Arten wurden die ozonbelasteten Ameisen von ihren eigenen Artgenossen bedroht und attackiert, obwohl sie eigentlich zusammengehören.

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"Uns interessierte, ob dies tatsächlich mit einer veränderten Menge an Alkenen auf der Körperoberfläche der Ameisen einhergeht. Dies war schwierig zu messen, da auch bei unbelasteten Ameisen die Menge an Alkenen extrem niedrig ist", erklärt Markus Knaden in einer Aussendung der Max-Planck-Gesellschaft. "Mit thermodesorbierender Gaschromatographie konnten wir jedoch die Menge dieser Verbindungen sogar an einzelnen Ameisen messen."

Keine Brutpflege mehr

Die Forscher beobachteten außerdem: In Kolonien mit Ozon hielten erwachsene Ameisen mehr Abstand zu den Larven als in frischer Luft. Viele Larven starben. Da Ozon selbst als direkte Todesursache für die Larven fast ausgeschlossen werden konnte, gehen die Fachleute davon aus, dass die gestörte chemische Kommunikation zwischen erwachsenen Ameisen und Larven schuld ist – die Brutpflege wird vernachlässigt, die Jungen sterben.

Umweltgifte bedrohen aber nicht nur Ameisen. Auch andere soziale Insekten, wie Bienen, auf die viele Nutzpflanzen angewiesen sind, könnten durch hohe Schadstoffwerte ähnlich betroffen sein. "Oxidierende Schadstoffe wie Ozon und Stickoxide werden oft wegen ihrer schädlichen Auswirkungen auf den Menschen thematisiert. Wir sollten uns jedoch auch darüber bewusst sein, dass diese vom Menschen verursachten Schadstoffe auch unsere Ökosysteme erheblich schädigen können," sagt Bill Hansson, einer der Hauptautoren der Studie.

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