Die Küstenwälder in Brasilien sind für viele Tier- und Pflanzenarten ein echtes Paradies. Leider ist durch das Eingreifen des Menschen nur noch rund ein Drittel vom ursprünglichen Wald übrig. Die Tiere verlieren ihren Lebensraum, und die Gelsen, die früher viele verschiedene Wirte hatten, setzen jetzt immer öfter auf uns Menschen als Hauptspeis.
Forscher haben das Verhalten der Gelsen in einer aktuellen Studie genauer unter die Lupe genommen. Der Mensch dringt immer weiter in die Wälder vor, sei es durch illegale Besiedlung, Straßenbau oder Landwirtschaft. Dadurch entstehen Häuser mitten in ehemaligen Rückzugsorten für wilde Tiere, sagt auch der brasilianische Studienautor Sergio Machado.
Die Wissenschaftler haben in zwei Schutzgebieten im Bundesstaat Rio de Janeiro mit Lichtfallen Gelsen gefangen. Im Labor wurden dann die Weibchen untersucht, die schon Blut gesaugt hatten und mittels DNA-Analysen festgestellt, von welchem Wirt das Blut stammte.
Insgesamt wurden 1.714 Gelsen aus 52 Arten gefangen, davon waren 145 Weibchen mit Blut gefüllt. Bei 24 Tieren ließ sich herausfinden, woher das Blut kam: 18 davon hatten beim Menschen zugeschlagen, die restlichen stammten von Vögeln, einem Amphibium, einem Hund und einer Maus. Manche Gelsen hatten sogar bei mehreren Wirten Blut gesaugt.
„Die zunehmende Orientierung der Moskitos am Menschen ist vor allem eine Reaktion auf den Verlust natürlicher Wirte infolge illegaler Abholzung. Wildtiere werden aus den fragmentierten Wäldern verdrängt oder ziehen sich weiter ins Innere der verbliebenen Waldgebiete zurück.“Sergio MachadoStudienautor, Brasilien
Besonders auffällig ist laut Machado, dass vor allem jene Gelsen betroffen sind, die auf bestimmte Tiere spezialisiert waren. In einem der Gebiete gab es zum Beispiel überhaupt keine Affen mehr, auch viele Vogelarten wurden weniger. Manche Gelsenarten, die eigentlich hoch oben in den Baumkronen leben, kommen jetzt nach unten und stechen dort öfter Menschen. Das könnte laut Machado ein Zeichen dafür sein, dass sich die Tiere an die neuen Bedingungen anpassen.
Umweltschutz essentiell:
Das Forschungsteam hofft, dass durch Aufforstung und den Schutz der natürlichen Lebensräume das Gleichgewicht zwischen Gelsen, Wildtieren und Menschen wiederhergestellt werden kann. So könnten nicht nur Krankheiten eingedämmt, sondern auch ganze Ökosysteme geschützt werden.
Die Stiche sind nicht nur unangenehm: In den betroffenen Regionen können Gelsen Viren wie Gelbfieber, Dengue, Zika, Mayaro, Sabiá und Chikungunya übertragen. Diese Krankheiten können schwer verlaufen und langfristige Folgen haben. Je öfter Gelsen Menschen stechen, desto größer wird das Risiko, dass sich solche Krankheiten ausbreiten. Besonders gefährlich sind neue oder wenig bekannte Erreger, für die es noch keine guten Diagnose- oder Überwachungssysteme gibt, warnt Machado.
Die Studie zeigt auch, dass nur knapp sieben Prozent der gefangenen Gelsen wirklich Blut gesaugt hatten und bei rund 38 Prozent der Fälle die Blutquelle bestimmt werden konnte. Das zeigt, dass noch viel geforscht werden muss, besonders wenn es um Gelsen geht, die bei mehreren Wirten Blut holen. Zu wissen, von wem sich die Gelsen ernähren, ist wichtig, um zu verstehen, wie Krankheiten weitergegeben werden.