Die Idee stammt von einer Pariser Start-up-Gründerin und hat Jennifer (48) und Paulo (50) sofort neugierig gemacht. Das Paar entdeckte das ungewöhnliche Konzept auf einer Hochzeitsmesse, nahm einen Flyer mit – und entschied spontan: "Warum eigentlich nicht?"
Über die App "Invitin" konnten Interessierte sich bewerben, und die beiden suchten persönlich fünf Gäste aus, die am Fest auf einem idyllischen Landgut östlich von Paris teilnehmen durften.
Die Braut, die während der Pandemie ihren heutigen Ehemann über eine Dating-App kennenlernte, sagt im "Guardian": "Es geht nicht nur ums Geld – das ist bei der Gesamtsumme der Hochzeit ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein", erklärt Jennifer. "Aber es hilft natürlich ein bisschen bei Dingen wie Dekoration oder Kleid. Vor allem aber dachten wir: Das macht bestimmt Spaß. Wir sind offen, extrovertiert – und lieben ungewöhnliche Ideen."
Alle Interessenten mussten vorab ihre Profile einsenden, das Paar prüfte persönlich, wer eingeladen wird. "Wir haben deutlich mehr weibliche Singles unter unseren Freunden als männliche – mit den Ticket-Gästen gleichen wir das etwas aus", lacht Jennifer.
So mischten sich zu den 80 geladenen Gästen und 15 Kindern ein Paar und drei Solo-Männer, die für 100 bis 200 Euro mitfeiern durften: Von der emotionalen Zeremonie im Garten über Sektempfang mit Livemusik, ein festliches Abendessen mit Fisch oder vegetarischer Option (Fleisch gibt’s nicht, die Braut lebt vegetarisch) bis hin zur ausgelassenen Tanzparty.
Die App-Erfinderin Katia Lekarski, einst Model und heute Start-up-Entrepreneurin, will mit "Invitin" Hochzeiten für Abenteuerlustige öffnen – mit klaren Regeln: pünktlich erscheinen, passende Kleidung, maßvoller Alkoholkonsum – und keine Fotos ohne ausdrückliche Erlaubnis. Wer sich danebenbenimmt, fliegt raus. Die Hochzeit sei kein Ort für Instagram-Influencer, sondern für Menschen, die das Besondere suchen, sagt Lekarski dem "Guardian".
Der Trend steckt noch in den Kinderschuhen, doch die Nachfrage wächst. Auch international – in Indien etwa gibt es mit "Join My Wedding" ein ähnliches Konzept für Touristen.