Umstrittenes Projekt

Parkplätze weg – wilder Streit um Radweg in Wien

In Wien-Hietzing soll ein 600 Meter langer Radweg entstehen. Brisant: Einer der heutigen Kritiker hatte das Projekt einst selbst mit beantragt.
18.10.2026, 18:51
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Großer Wirbel in Wien-Hietzing. Die viel befahrene Lainzer Straße steht vor einer umfassenden Umgestaltung. Unter anderem soll ein rund 600 Meter langer Radweg entstehen – dafür müssten zahlreiche Parkplätze weichen.

Bis zu 100 Parkplätze weg

Konkret sollen Gleise und Leitungen erneuert werden. Im Zuge der Bauarbeiten soll auch die Lainzer Straße ein neues Gesicht bekommen. Herzstück der Umgestaltung ist ein rund 600 Meter langer, baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg. Dafür müssten allerdings bis zu 100 Parkplätze weichen – und das in einem Grätzl, in dem freie Stellplätze ohnehin schon Mangelware sind.

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Petition rechnet mit Projekt ab

Genau hier setzt die Petition "Lainzer Straße NEU: Radwegplanung überdenken, Parkplätze erhalten!" an. Die Initiatoren warnen, dass "die Erreichbarkeit eines der letzten Grätzl mit nahezu lückenlosem Branchenmix auf dem Spiel" stehe. Rund 200 Geschäfte, darunter Nahversorger, Arztordinationen und Gastronomiebetriebe, seien laut Petition in Alt-Hietzing angesiedelt.

Dabei richte sich der Protest ausdrücklich nicht gegen den Radweg an sich. Vielmehr fordern die Initiatoren vor Baubeginn "offengelegte Zahlen, eine ergebnisoffene Prüfung von Alternativen, ein verbindliches Konzept für Ladezonen und Erreichbarkeit sowie Unterstützung der Betriebe während der Bauzeit". Bis Samstag haben 338 Personen die Petition unterschrieben.

ÖVP-Bezirksrat dagegen...

Auch politisch sorgt das Projekt für Zündstoff. Im Mittelpunkt steht Friedrich Nikolaus Ebert, ehemaliger Bezirksvorsteher von Hietzing und nunmehriger Bezirksrat. Der 60-Jährige brachte in der jüngsten Bezirksvertretungssitzung einen Antrag mit ein, in dem von einer "unangemessenen, ersatzlosen Parkplatzvernichtung und der Gefährdung der Existenz der ansässigen Wirtschaftstreibenden" die Rede ist.

Ebert verwies dabei unter anderem auf Arztpraxen und ältere Menschen, die auf das Auto angewiesen seien. Mit Blick auf die Betriebe in Alt-Hietzing warnte er: "Man muss das nicht mutwillig zerstören."

Friedrich Nikolaus Ebert ist ehemaliger Bezirksvorsteher und aktueller Bezirksrat in Hietzing.
ÖVP Wien

...oder doch dafür?

Doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Ebert schlug beim Thema Radweg einst ganz andere Töne an. Wie "Heute" erfuhr, gehörte ausgerechnet er im September 2022 zu jenen Antragstellern, die sich für die Prüfung eines baulich getrennten Radwegs in der Lainzer Straße aussprachen. Brisant: Schon damals war ausdrücklich vom möglichen Wegfall einer Parkspur die Rede.

In der Begründung hieß es, dass durch die Einführung des Parkpickerls die Auslastung der Parkspuren merklich zurückgegangen sei. Daher erscheine es möglich, den Parkplatzbedarf auf eine Spur zu konzentrieren. "Der freigewordene Platz könnte für einen sicheren und attraktiven Radweg genutzt werden", betonten die Antragsteller – darunter auch Ebert.

Bleibt die Frage: Woher kommt der plötzliche Sinneswandel? "Heute" fragte beim Bezirksrat höchstpersönlich nach: "Beim damaligen Antrag (es handelte sich um einen Antrag von SPÖ, ÖVP, Grünen und NEOS) ging es in erster Linie darum nicht etwas zu beschließen, sondern zu prüfen, ob ein derartiger Radweg überhaupt möglich wäre. Und es wurde auch ausdrücklich eine Variantenprüfung erbeten und auch eine Untersuchung der Auswirkungen. Dieser Antrag wurde, soweit ich mich erinnern kann, der Mobilitätskommission zugewiesen. Somit hat sich in meiner persönlichen Einstellung (ich war damals Bezirksrat, wie Sie wissen, zwischen 2023 und 2025 konnte ich das Amt des Bezirksvorstehers bekleiden und heute bin ich wieder Bezirksrat der ÖVP) überhaupt nichts geändert. Ich stehe nach wie vor dazu, dass sichere Radwege geschaffen werden müssen, dort wo der Bedarf danach ist und ich stehe nach wie vor dazu, dass Projekte unter Berücksichtigung aller Interessen abgewogen, analysiert und gegebenenfalls umgesetzt werden. Wofür ich nicht zu haben bin, damals nicht und auch heute nicht, ist, dass man über Unternehmer, Anrainer und im konkreten Fall auch Einpendler einfach „drüberfährt" und ohne Rücksicht auf Verluste ein Projekt durchzieht. Ich verstehe nicht, warum ein "GUT funktionierendes Einkaufsgrätzel" so einfach mutwillig zerstört werden muss. Konkret auf ihre Frage bezogen: Ich lehne die derzeitig geplante Umsetzung des Radweges ab und bin nicht generell gegen einen Radweg“

nico, Akt. 18.10.2026, 18:52, 18.10.2026, 18:51
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