"Suche männlichen Pfleger"

Pferdebesitzerin im Geschlechter-Streit mit dem AMS

Eine Hofbesitzerin will ihren vertrauten Pferdepfleger zurück. Als sie beim AMS anfragt, heißt es: Sie müsse auch Frauen eine Chance geben.
Victoria Carina  Frühwirth
30.09.2026, 05:15
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Auf dem Pferdehof von Sylvia Haubenburger in Laab im Walde (Bezirk Mödling) gibt es jede Menge zu tun. Die 62-Jährige betreibt einen Zuchtbetrieb mit 18 Pferden und braucht eine Arbeitskraft, die "ordentlich zupacken kann", wie sie selbst sagt.

Boxen und Koppeln ausmisten, die Anlage instand halten, auch nachts bei Pferdegeburten helfen und bei der Heuernte schwere Maschinen bedienen: So beschreibt Haubenburger den Pflegerjob, den sie auf ihrem Hof braucht. Der Pfleger soll zudem am Hof wohnen und sechs Tage pro Woche arbeiten.

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"Die Pferde kennen und mögen ihn"

Bereits 2025 suchte die Niederösterreicherin deshalb über das AMS nach Unterstützung. So kam damals ein Pfleger aus Marokko auf ihren Hof. Der ausländische Saisonarbeiter war zunächst sechs Monate beschäftigt, danach konnte Haubenburger seinen Aufenthalt nach eigenen Angaben noch drei Monate verlängern.

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Nachdem der Pfleger drei Monate verpflichtend Pause in seinem Heimatland gemacht hat,  möchte sie ihn jetzt wieder einstellen. "Ich brauche jemanden, der zupacken kann und die Kraft hat zum Ausmisten und Traktorfahren. Das ist körperliche Schwerarbeit", sagt sie zu "Heute". Hinzu komme das Vertrauen: "Die Pferde kennen ihn und sie sind entspannt bei ihm. Außerdem vertraue ich dem Pfleger und komme gut mit ihm aus."

Doch so einfach geht das nicht. Haubenburger stellte beim AMS erneut einen Antrag für jenen Pfleger. Bei einer Beschäftigungsbewilligung für einen Drittstaatsangehörigen muss das AMS aber zuvor prüfen, ob eine bereits in Österreich verfügbare Arbeitskraft für den Job infrage kommt.

Darf sich keinen Mann als Pfleger wünschen

Die Stelle wurde deshalb öffentlich für zwei Wochen ausgeschrieben. Unter den Bewerbern war auch eine Frau mit Erfahrung im Umgang mit Jungpferden und Hengsten. Haubenburger sagt, sie habe der Bewerberin – einer Mutter mehrerer junger Kinder – in einem Gespräch erklärt, wie körperlich anstrengend die Arbeit sei und dass sie am Hof wohnen müsse. Die Bewerberin habe daraufhin abgelehnt und selbst gemeint, die Stelle sei doch etwas für einen Mann.

Haubenburger schrieb dem AMS daraufhin eine E-Mail, dass ein männlicher Pfleger "von Vorteil" wäre. Genau diese Formulierung wurde aber zum großen Problem. Das AMS wies die Pferdezüchterin darauf hin, dass eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen könne. Die Bewerberin bringe die fachlichen Voraussetzungen mit und müsse objektiv geprüft werden.

"Ich bin nicht frauenfeindlich"

Haubenburger ist verärgert. "Ich bin sicher nicht frauenfeindlich", betont sie im "Heute"-Gespräch. Sie habe die Frau nicht wegen ihres Geschlechts ablehnen wollen. Entscheidend seien die schwere körperliche Arbeit und die notwendige Anwesenheit am Hof, welche jene Bewerberin nicht erbringen konnte.

Das AMS Niederösterreich erklärt auf "Heute"-Anfrage, dass bei der Beschäftigung von Drittstaatsangehörigen ein sogenanntes Ersatzkraftverfahren vorgeschrieben sei. "Das heißt: Das AMS prüft, ob eine offene Stelle mit einer bereits in Österreich verfügbaren Arbeitskraft besetzt werden kann, bevor für Drittstaatsangehörige ein Arbeitsmarktzugang erteilt wird. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass offene Stellen zunächst mit arbeitslosen Personen im Inland besetzt werden."

Und weiter: "Das AMS handelt hier nicht nach freiem Ermessen, sondern aufgrund gesetzlicher Vorgaben." Auch Stellenanforderungen, die nur auf Männer oder Frauen zugeschnitten sind, seien grundsätzlich nicht zulässig.

Ungewiss, ob Pfleger zurückkehrt

Haubenburger betont hingegen, sie habe diese Formulierung erst nach dem Gespräch mit jener Bewerberin gewählt. "Ich will gar niemanden diskriminieren, ich bin ja selbst eine Frau! Ich will einfach meinen vertrauten Pfleger zurück auf meinem Hof, der schon gute Arbeit für mich geleistet hat."

Noch ist unklar, ob sie dafür grünes Licht vom AMS bekommt. Laut AMS wurde der Antrag zur Anmeldung des früheren Pferdepflegers am 28. September dem Regionalbeirat des AMS Mödling zur Entscheidung vorgelegt. Ein Ergebnis liegt "Heute" noch nicht vor.

VF,30.09.2026, 05:15
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