Deutliche Worte bei der Vollversammlung der Arbeiterkammer Oberösterreich: AK-Präsident Andreas Stangl fordert mehr Fairness und Respekt bei Pflegegeld-Begutachtungen. "Es kann einfach nicht sein, dass regelmäßig Pflegegeld-Begutachtungen bei Gericht korrigiert werden müssen, um eine korrekte Einstufung zu erzielen", sagte Stangl am Dienstag in Linz.
Besonders kritisch sieht der AK-Chef, dass vorhandene Befunde von Antragstellern oft nicht ausreichend berücksichtigt würden. Auch Unterschiede bei der Behandlung von Frauen und Männern sowie zwischen Menschen mit und ohne Matura seien weiter ein Problem. "Was wir endlich brauchen, ist ein respektvoller Umgang mit allen Betroffenen", so Stangl. Begutachtungen müssten standardisiert und umfassend durchgeführt werden.
Scharfe Kritik übte der AK-Präsident auch an der Kassenfusion. Die Auswirkungen der Reform seien laut Stangl "täglich zu spüren". Das Gesundheitssystem sei in Gefahr, die Unzufriedenheit unter Patienten steige. Die Arbeitnehmer müssten in der Österreichischen Gesundheitskasse wieder mehr Mitspracherecht bekommen.
Gleichzeitig zog die AK OÖ Bilanz über das vergangene Jahr. 2025 wurden laut Arbeiterkammer 212,5 Millionen Euro für Mitglieder erkämpft - ein neuer Rekordwert. Mehr als 328.000 Beratungen wurden durchgeführt, besonders oft ging es um Pflegegeld, Insolvenzen und die hohe Inflation.
Auch die Veränderungen in der Arbeitswelt waren Thema der Vollversammlung. Künstliche Intelligenz dürfe laut Stangl nicht nur aus technischer oder wirtschaftlicher Sicht diskutiert werden. Beschäftigte und Betriebsräte müssten bei Veränderungen in Unternehmen stärker eingebunden werden.