Die Ablehnung niederösterreichischer Patientinnen und Patienten in Wiener Spitälern aufgrund ihres Wohnorts sorgt seit Monaten für große Verunsicherung und landesweiten Unmut.
Auf Einladung von VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner sprach der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer im Rahmen eines Pressegesprächs über die Hintergründe der aktuellen Diskussion.
Ziel des Gesprächs war es laut der VPNÖ, die meistgestellten Fragen zum Thema Gastpatienten faktenbasiert zu beantworten und die finanziellen sowie strukturellen Zusammenhänge im österreichischen Gesundheitssystem einzuordnen.
"Die Wiener Stadtregierung kommt mit ihren selbst verschuldeten, extrem hohen Spitalskosten nicht zurecht und will nun die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher zur Kasse bitten. Wir haben immer klargemacht: Das werden wir nicht akzeptieren. Allein durch die Übernahme des niederösterreichischen Sozialhilfemodells könnte Wien erhebliche zusätzliche finanzielle Spielräume in der Höhe von rund 300 Millionen Euro erschließen", so Zauner.
Und weiter: "Klar ist auch: Im Rahmen des Finanzausgleichs besteht eine eindeutige Vereinbarung zur Behandlung von Gastpatientinnen und Gastpatienten aus Niederösterreich, die bis 2028 gültig ist und die auch Wiens Bürgermeister unterschrieben hat. Umso wichtiger ist es daher, die aktuelle Debatte auf eine sachliche und faktenbasierte Grundlage zu stellen, um schnellstmöglich eine Lösung im Sinne der Patientinnen und Patienten zu erwirken. Dafür danke ich Dr. Pichlbauer ausdrücklich", betont Zauner.
Dr. Ernest Pichlbauer unterstreicht: "Wien hat kein Problem mit zu vielen Gastpatienten aus Niederösterreich, sondern ein hausgemachtes Kostenproblem. Denn die Mehrkosten in Wiener Spitälern für nichtmedizinische Fremdleistungen sowie Abgaben und Gebühren sind im Österreich-Vergleich exorbitant hoch und von der Stadt Wien selbst beeinflussbar. Durch eine Angleichung dieser Kosten könnte rund eine Milliarde Euro gespart werden. Wenn die Stadtregierung mit den extremen Ausgaben nicht zurechtkommt, hat das jedenfalls nichts mit der Erbringung von Leistungen für Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern zu tun. Ich halte das Vorgehen Wiens in dieser Frage für verfassungswidrig und bin entsetzt, dass die Patientinnen und Patienten von Gesundheitsstadtrat Hacker auf die politische Ebene gezogen und vor die Tür gesetzt werden."
Darüber hinaus hält Pichlbauer fest, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Gastpatienten-Debatte und dem Gesundheitsplan 2040+ in Niederösterreich gäbe. "Ich halte den Gesundheitsplan 2040+ für ein mutiges Vorgehen des Bundeslandes Niederösterreich. Zum ersten Mal in der Geschichte erlebe ich, dass Kompetenzen gezielt gebündelt werden und damit die Versorgungsquote sogar erhöht wird", so Pichlbauer abschließend.