Am Sonntag haben Zehntausende ultraorthodoxe Juden in Israel landesweit Straßen blockiert, Züge aufgehalten, Autos angezündet und einen Soldaten attackiert. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.
Auslöser der Proteste ist die Wehrpflicht, die ultraorthodoxe Männer ablehnen. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen, wenn die Polizei versucht, Dienstverweigerer festzunehmen. Die Proteste dieser Bevölkerungsgruppe sind seit Jahren ein wiederkehrendes Thema.
Die Demonstrationen sind besonders heftig, seit das israelische Höchstgericht 2017 entschied, dass die bisherige Ausnahmeregelung für Ultraorthodoxe gegen das Gleichheitsgebot verstößt. Trotz politischer Verzögerungen ist die Ausnahme weiterhin gültig, doch der gesellschaftliche Druck wächst.
In Israel besteht für junge jüdische Männer und Frauen grundsätzlich Wehrpflicht. Ultraorthodoxe waren seit der Staatsgründung 1948 davon befreit. Heute machen sie rund 14 Prozent der Bevölkerung aus. Nur etwa jeder zehnte ultraorthodoxe Mann leistet Dienst beim Militär.
Diese Ausnahme sorgt zunehmend für Spannungen: Die Mehrheit der Bevölkerung zahlt Steuern und leistet Wehrdienst, während viele Strenggläubige weder arbeiten noch Militärdienst leisten.
Die Debatte um die Wehrpflicht hat bereits zu politischen Krisen geführt. Die ultraorthodoxen Parteien fordern ein Gesetz, das ihre Anhänger weiterhin von der Wehrpflicht befreit. Premierminister Netanjahu hat das Vorhaben zuletzt nicht vorangetrieben, da der Großteil der Bevölkerung Sonderregelungen ablehnt.
Vor dem Hintergrund des aktuellen Mehrfrontenkriegs und der bevorstehenden Neuwahlen spitzt sich der Konflikt weiter zu. Ob die Ausnahmeregelung für Ultraorthodoxe bestehen bleibt, ist weiterhin offen.