Zu wenig Personal, Beschwerden von Anrainern und eine Ministerin, die aus seiner Sicht die Lage beschönigt: FPÖ-Nationalratsabgeordneter Christian Lausch übt im "Heute"-Gespräch scharfe Kritik am Jugendstrafvollzug. Eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) liefert dazu neue Zahlen – lässt aber auch mehrere Fragen offen.
Konkret geht es unter anderem um die Sonderanstalt für den Jugendvollzug Wien-Münnichplatz. Dort waren zum Stichtag 1. September 2026 von 58 vorgesehenen Justizwache-Planstellen nur 50,25 besetzt. Das entspricht einem Besetzungsgrad von 86,64 Prozent – fast jede siebte Planstelle war damit unbesetzt.
Das Ministerium betont allerdings, dass die fehlenden Kräfte bis zur vollständigen Besetzung durch Dienstzuteilungen abgedeckt würden. Beim nichtexekutiven Personal waren Anfang September elf von zwölf Planstellen besetzt. Seit 15. Oktober seien hier alle Stellen besetzt. Zusätzlich meldet das Ressort erfüllte Betreuungsaufträge der Justizbetreuungsagentur im Umfang von 11,45.
Für Lausch ist die Situation dennoch alarmierend. "Pulverfass Jugendstrafvollzug!", warnt er gegenüber "Heute". Er kritisiert einen Mangel sowohl bei der Justizwache als auch beim Betreuungspersonal. Der FPÖ-Parlamentarier berichtet außerdem von laufenden Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft. Diese sind allerdings nicht Gegenstand der Anfragebeantwortung.
Sein Vorwurf an Sporrer fällt deutlich aus: In der Anfragebeantwortung "schönt" die "rücktrittsreife Justizministerin diesen gefährlichen Zustand", so Lausch. "Nicht nur Justitia ist offenbar blind!"
Wie viele Bedienstete österreichweit ausschließlich im Jugendvollzug arbeiten, geht aus der Antwort nicht hervor. Für die übrigen Justizanstalten und forensisch-therapeutischen Zentren gebe es keine zentrale Erfassung, erklärt das Ministerium. Eine Auswertung würde einen "unverhältnismäßigen Aufwand" verursachen.
Auch bei der Frage, wie viele psychiatrische Betreuungskapazitäten konkret für Jugendliche zur Verfügung stehen, fehlen dem Ressort die Daten. Für den Münnichplatz hält es hingegen fest: Kinder- und Jugendpsychiater seien mehrmals wöchentlich vor Ort. Bei akutem Bedarf könne eine Überstellung in ein öffentliches Krankenhaus erfolgen.
Offen bleibt zudem, wie viele Stunden Jugendliche im Schnitt täglich außerhalb ihres Haftraums verbringen können. Die Aufzeichnungen würden in den einzelnen Einrichtungen geführt, seien aber nicht automatisiert verfügbar. Eine Erhebung wäre laut Ministerium mit einem "unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand" verbunden.
Das Ressort verweist auf Mindeststandards, Bildungs- und Beschäftigungsangebote sowie den Ausbau der Sozialpädagogik. Grundsätzlich sollen die Einschlusszeiten möglichst kurz gehalten werden. Wie das im österreichweiten Alltag tatsächlich aussieht, lässt sich aus der Anfragebeantwortung allerdings nicht beziffern.