Überfüllte Gefängnisse

Gefängnis-Expertin packt über die Häfn-Zustände aus

Überbelegung, Personalmangel, Sicherheitsprobleme, mangelhafte Betreuung von Jugendlichen, psychisch belastete Insassen – eine Expertin packt aus.
Newsdesk Heute
02.06.2026, 22:23
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Die "Heute"-Berichte alleine aus dem Jahr 2026 zeichnen ein breites Bild von strukturellen Problemen und teils gravierenden Missständen im österreichischen Strafvollzug. Die Fälle betreffen Überbelegung, Personalmangel, Sicherheitsprobleme, mangelhafte Betreuung von Jugendlichen, psychisch belastete Insassen sowie umstrittene Führungsentscheidungen in einzelnen Anstalten. Besonders alarmierend ist die Situation im Jugendstrafvollzug. Laut Volksanwaltschaft stieg die Zahl der inhaftierten Jugendlichen innerhalb eines Jahres um rund 46 Prozent. Mehrere Jugendabteilungen mussten wegen Überbelegung geschlossen werden.

Dadurch mussten Jugendliche teilweise gemeinsam mit erwachsenen Häftlingen untergebracht werden. In manchen Anstalten fielen dadurch wichtige Angebote wie Sozialpädagogik, Ergotherapie oder psychiatrische Betreuung weg. Die erst Anfang 2026 eröffnete Jugendhaftanstalt am Münnichplatz in Wien-Simmering gilt bereits als Symbol dieser Krise. Statt der vorgesehenen 72 Plätze waren dort kurz nach der Eröffnung bereits mehr als 80 Jugendliche untergebracht. Die Überbelegung wurde durch Stockbetten kompensiert, wodurch empfohlene Belegungsstandards und Mindestgrößen für Hafträume unterschritten wurden.

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Sicherheitsprobleme und Schmuggel

Gleichzeitig fehlten zahlreiche Justizwachebeamte, wodurch Freizeit-, Sport- und Beschäftigungsangebote eingeschränkt werden mussten. Mehrere Vorfälle werfen auch Fragen zur Sicherheit in den Justizanstalten auf. In der Justizanstalt Stein kam es zu einer groß angelegten Razzia, nachdem Hinweise auf Schmuggelaktivitäten aufgetaucht waren. Dabei wurden Handys und Suchtmittel sichergestellt. Besonders brisant war der Fund von Fentanyl, das über präparierte Briefe eingeschmuggelt worden sein soll. Zeitweise bestand sogar der Verdacht, dass sich eine Schusswaffe innerhalb der Anstalt befinden könnte.

Auch andere Vorfälle dokumentieren laufende Probleme mit Schmuggel und unerlaubten Gegenständen in Haftanstalten. Die Vorfälle nähren die Kritik, dass kriminelle Netzwerke teilweise selbst hinter Gefängnismauern weiter aktiv bleiben können. Ein weiteres Problemfeld sind die steigenden Zahlen von Suiziden und Todesfällen im Strafvollzug. Die Volksanwaltschaft sprach zuletzt von alarmierenden Entwicklungen. Im Jahr 2025 wurden österreichweit 59 Suizidversuche und acht vollendete Suizide in Haftanstalten registriert. Für Aufsehen sorgte unter anderem der Tod eines Häftlings in der Justizanstalt Eisenstadt.

Todesfälle, lange Wartezeiten, Käfig-Bau

Der Insasse hatte seine Zelle verbarrikadiert und Feuer gelegt. Trotz des raschen Eingreifens kam jede Hilfe zu spät. Der Fall reiht sich in eine Serie von Todesfällen und verstärkt die Diskussion über psychische Betreuung und Haftbedingungen. Mehrere Fälle zeigen Defizite bei der Betreuung jugendlicher Straftäter. So wurde bekannt, dass ein junger Häftling monatelang auf dringend benötigte Hilfs- und Betreuungsmaßnahmen warten musste. Für Empörung sorgte auch ein Bericht über eine niederösterreichische Justizanstalt. Dort soll der Bau eines Metallkäfigs erfolgt sein, in dem eine psychisch auffällige Insassin gesperrt werden sollte.

Die einzelnen Fälle ergeben gemeinsam das Bild eines Strafvollzugs, der zunehmend unter Druck gerät: überfüllte Gefängnisse, fehlendes Personal, steigende Zahlen jugendlicher Insassen, Sicherheitsprobleme durch Schmuggel, alarmierende Suizid- und Todesfälle sowie fragwürdige Entscheidungen einzelner Verantwortlicher. Volksanwaltschaft und Experten warnen bereits, dass viele Justizanstalten an ihre Belastungsgrenzen stoßen und dringend Reformen notwendig seien. Dazu nahm am späten Dienstagabend Justizwache-Gewerkschafterin Claudia Gradinger in der "ZIB2" bei ORF-Moderatorin Margit Laufer Stellung.

"Macht ja auch psychisch mit einem Menschen was"

"Das größte Problem derzeit in unseren Justizanstalten ist sicherlich der massive Überbelag, der sich nicht auflöst", so Gradinger. Das Zweite sei der enorme Personalmangel, die aktiven Kolleginnen und Kollegen "gehen an ihre Grenzen". Gradinger verriet: "Es hapert sicher in erster Linie an der Bezahlung." Sie bewege sich "im unteren Niveau" dafür, dass man in der Nacht, an Wochenenden und an Feiertagen arbeiten müsse. Der Alltag in den Justizanstalten sei dadurch "genau das, was man nicht will", nämlich kein geregelter Arbeitsalltag. "So kann Resozialisierung nicht funktionieren."

Dass Insassen 23 Stunden täglich in der Zelle sitzen müssen, "macht ja auch psychisch mit einem Menschen was, manche werden aggressiv". Für die Justizanstalten-Expertin sei die Situation "ein Teufelskreis". In Zwei-Mann-Hafträumen seien drei bis vier Häftlinge untergebracht, es käme zu Angriffen untereinander, aber auch gegen das Personal der Justizanstalten. Die Situation sei für Gradinger "nicht zumutbar", man "kann sich ja kaum mehr bewegen im Haftraum". Ihre Forderungen an das Justizministerium: Aufnahme von "viel mehr Personal" sowie "mehr Rückhalt und Taten".

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 02.06.2026, 22:24, 02.06.2026, 22:23
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